Beste Medien in diesem Jahr gekürt – Forscher kritisieren Verlust an Vielfalt

NZZ, «Echo der Zeit» und «NZZ am Sonntag»: Diese Medienprodukte zeichnen sich durch eine besonders hohe Qualität aus. Zu diesem Schluss kommt eine neue Studie. Während die Forscher in der Berichterstattung über nationale Themen einen Abbau beklagen, steigt die Qualität und Vielfalt im Lokalen bleibt hoch.

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Die NZZ ist auch dieses Jahr Siegerin bei den Tages- und Onlinezeitungen.

Die NZZ ist auch dieses Jahr Siegerin bei den Tages- und Onlinezeitungen.

Schlatter Bruno

(sat/agl/rwa) An den Spitzen in den verschiedenen Kategorien des dritten Medienqualitätsratings (MQR) ändert sich auch dieses Jahr kaum etwas. Bei den Tages- und Onlinezeitungen steht die «Neue Zürcher Zeitung» zuoberst, bei den Sonntagszeitungen die «NZZ am Sonntag» und bei den Radio- und Fernsehsendungen das «Echo der Zeit» von SRF. Trotz dieser Printdominanz seien einige Onlineportale ihren gedruckten Versionen inzwischen dicht auf den Fersen oder hätten diese bereits überholt, kommt die am Montag veröffentlichte Studie zum Schluss.

Unter die Lupe nimmt die Studie die Qualität als Ganzes, jene über die Berichterstattung und wie die Qualität durch Leser wahrgenommen wird. Die Qualität der Berichterstattung misst die Studie anhand einer wissenschaftlichen Inhaltsanalyse von über 18'000 Artikeln, die unter anderem nach Indikatoren wie Relevanz, Sachlichkeit oder Eigenleistung codiert werden.

Lokal weiterhin grosse Vielfalt

Generell beobachten die Studienautoren bei den zwei grossen Medienhäusern TX Group und CH Media (zu letzterem gehört auch dieses Portal) in den letzten zwei Jahren eine verstärkte Konzentration der überregionalen Berichterstattung. So betrage der Anteil geteilter Beiträge in beiden Verbundsystemen bereits 30 bis 40 Prozent. Das ist eine Konsequenz der Einführung von sogenannten Kopfblatt-Systemen bei beiden Medienhäusern. «Für die demokratische Meinungsbildung ist dieser Verlust an Vielfalt auf Systemebene besorgniserregend», schreibt MQR-Gründungsmitglied Andreas Durisch im Vorwort zur Studie.

Medienwissenschafter Daniel Vogler von der Universität Zürich, der an der Erhebung beteiligt war, sagt aber auch, die Qualität habe sich dadurch verbessert: «Die Medienkonzentration ist für den einzelnen Leser weniger problematisch. Er erhält durch die Bündelung der Kräfte vermutlich sogar das bessere Produkt.» Einzelne Redaktionen konnten sich früher beispielsweise keine Wissenschaftsredaktion leisten; Zentralredaktionen schon.

Im Kerngeschäft der sogenannten Kopfblätter – dem Lokal- und Regionaljournalismus – attestieren die Autoren den Medienhäusern in ihrer Untersuchung allerdings weiterhin eine grosse Vielfalt. «Das Versprechen der Verlage werde eingelöst, sagte Durisch bei der Präsentation. Als politisch brisant erachtet er jedoch die Frage, ob der regionale Schwerpunkt trotz anhaltendem Spardruck auch künftig nicht ausgedünnt werde.

Die Sieger im Überblick:

  • In der Kategorie Tageszeitungen holt die NZZ zum dritten Mal die höchste Gesamtpunktzahl (81/+1).
  • Bei den Radio- und Fernsehsendungen schwingt ebenfalls erneut das «Echo der Zeit» von Radio SRF obenauf (85/-).
  • Die «NZZ am Sonntag» ist zum dritten Mal Siegerin bei den Sonntagszeitungen (76/-1).
  • lematin.ch gewinnt in der Kategorie Boulevard- und Pendlerzeitungen (55,1/+3).
  • Aufsteiger des Jahres ist ebenfalls ein Online-Medium: blick.ch konnte im Vergleich zu 2018 im MQR-Rating gleich 6 Punkte zulegen. Es liegt nun knapp vor der gedruckten «Blick»-Ausgabe.

Seit zehn Jahren gibt es in der Schweiz das Jahrbuch Qualität der Medien. Dieses wird vom Forschungszentrum Öffentlichkeit und Gesellschaft (Fög) der Universität Zürich herausgegeben. Zum dritten mal wird dieses nun ergänzt durch das alle zwei Jahre vom Verein Medienqualität durchgeführte Medienqualitätsrating.