Zeichen auf Abschied
Für Robert Lewandowski ist die Zeit beim FC Bayern «vorbei» – nun droht die Schlammschlacht

Robert Lewandowski erhöht mit seinen öffentlichen Äusserungen den Druck auf den FC Bayern München. Der Stürmerstar will sofort weg. Mit Ruhm wird sich nun niemand mehr bekleckern.

Gabriel Vilares
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Bei Robert Lewandowski stehen alle Zeichen auf Abschied. Der 33-jährige Stürmerstar übt grossen Druck auf die Bayern-Führung aus.

Bei Robert Lewandowski stehen alle Zeichen auf Abschied. Der 33-jährige Stürmerstar übt grossen Druck auf die Bayern-Führung aus.

Keystone

Die Bundesliga droht nach dem Abgang von Erling Haaland (Manchester City) um eine weitere Attraktion ärmer zu werden. Robert Lewandowski hat nach acht Jahren genug vom FC Bayern München. Dies hat der 33-jährige Pole an einer Pressekonferenz in Warschau unmissverständlich klar gemacht: «Meine Geschichte beim FC Bayern ist vorbei. Eine weitere gute Zusammenarbeit kann ich mir nicht vorstellen. Mein Transfer ist für alle Seiten die beste Lösung.»

Das Tischtuch zwischen ihm und dem deutschen Rekordmeister damit endgültig zerschnitten. Am vergangenen Wochenende hatte sich der zweifache Fifa-Weltfussballer des Jahres am Rande des Formel-1-Rennens in Monaco noch um eine klare Aussage gedrückt. «Wir haben ein Haus auf Mallorca. Spanien ist grossartig, nicht nur, um dort Urlaub zu machen», hatte Lewandowski gegenüber dem polnischen TV-Sender Eleven Sports PL gesagt.

Führt der Weg nach Barcelona?

Der zweitbeste Torschütze der Bundesliga-Geschichte befeuerte damit die Gerüchte rund um den FC Barcelona. Angeblich sollen die klammen Katalanen ein Angebot von 32 Millionen Euro bei den Deutschen deponiert haben. Doch weshalb kann sich Lewandowski keine Zusammenarbeit mehr mit den Bayern vorstellen und stellt sich nun öffentlich gegen seinen Arbeitgeber?

Es geht um Wertschätzung. Gemäss Pin Zahavi, dem Spielerberater des Stürmerstars, sollen die Bayern seinem Klienten kein Angebot für eine Vertragsverlängerung unterbreitet haben. Zudem habe sich der Verein um Erling Haaland bemüht und mit diesem Lewandowski ersetzen wollen. «Er fühlt sich seit Monaten von den Verantwortlichen nicht respektiert, das ist die Wahrheit», so der Spielerberater.

Bayern-Bosse in Rücklage

Bayern-Sportvorstand Hasan Salihamidzic widersprach dem Vorwurf, dass man dem 33-Jährigen keine Vertragsverlängerung angeboten habe. Mit der unverhohlenen Forderung nach einem Wechsel hat Lewandowski an der Säberner Strasse ein Beben ausgelöst. Auch Bayern-Boss Oliver Kahn sah sich zu einer Stellungnahme gegenüber Sport1 gezwungen: «Warum Robert diesen Weg gewählt hat, kann ich nicht sagen. Solche Äusserungen bringen keinen weiter. Er wurde hier zweimal Weltfussballer – ich denke, er sollte wissen, was er am FC Bayern hat. Wertschätzung ist keine Einbahnstrasse!»

Bayern-Boss Oliver Kahn sah sich zu einer Stellungnahme gezwungen.

Bayern-Boss Oliver Kahn sah sich zu einer Stellungnahme gezwungen.

imago

Es droht nun also die grosse Schlammschlacht. Der Captain der polnischen Nationalmannschaft hat noch ein Jahr Vertrag und versucht mit seinen Äusserungen möglichst viel Druck auszuüben. «Ich hoffe, sie halten mich nicht auf, nur weil sie es können», sagte Lewandowski. Die feine englische Art ist es sicherlich nicht. In der Vergangenheit haben schon mehrere Fussballer ihren Wechsel erzwungen, dafür gar gestreikt. Einer der bekanntesten Fälle ist jener des Ex-Dortmunders Ousmane Dembélé. Um sich möglichst rasch dem FC Barcelona anzuschliessen, erschien der Franzose kurzerhand einfach nicht mehr im Training.

FC Barcelona müsste erst Spieler verkaufen

Bei einer Verpflichtung wäre der FC Barcelona ohne Zweifel um ein Publikumsmagnet reicher. Doch leisten kann sich der fünffache Champions-League-Sieger diesen Deal eigentlich nicht. Mit 1,35 Milliarden Euro steht Barça in der Kreide. Zum jetzigen Zeitpunkt könnten die Katalanen Lewandowski gar nicht unter Vertrag nehmen. Das erklärte der spanische Liga-Präsident Javier Tebas der Nachrichtenagentur Europa Press.

«Barcelona weiss, was es zu tun hat: Vermögenswerte verkaufen und mehr Einkommen erzielen», erklärte Tebas. Heisst: Zuerst müssen Verkäufe getätigt werden, um Käufe zu realisieren. Sollte sich der Pole tatsächlich verabschieden, wäre es das Ende einer Ära von acht Meistertiteln, drei Pokalsiegen, einem Triumph in der Champions League, Weltpokalsieg und haufenweisen persönlichen Auszeichnungen.

Wie geht es nun weiter? Der brüskierte Vorstand des FC Bayern muss sich nun Gedanken machen, ob man den Machtkampf austragen möchte. Bleibt man standhaft, riskiert man einen schlecht gelaunten Spieler. Gibt man nach, verliert man sein Gesicht. In dieser Situation gibt es nur noch Verlierer.