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Der Cup und die eigenen Gesetze

Das Top-Trio der Super League ist raus, in Deutschland geht der FC Bayern dank einer Embolo-Show baden. Diese Woche hat gezeigt: Pokalwettbewerbe haben ihren Reiz nicht verloren.

Dan Urner
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Jubel bei Yverdon-Sport: Der Challenge-Ligist schaltete den FC Zürich nach Penaltyschiessen aus.

Jubel bei Yverdon-Sport: Der Challenge-Ligist schaltete den FC Zürich nach Penaltyschiessen aus.

Keystone

Der Cup schreibt seine eigenen Gesetze. Die Kleinen können die Grossen ärgern. So abgedroschen diese Phrasen auch sein mögen – dass ihnen noch immer ein beträchtlicher Wahrheitsgehalt innewohnt, hat der zurückliegende Spieltag in Pokalwettbewerben im In- und Ausland eindrücklich dargelegt.

Um zu konstatieren, wie viel Märchenhaftes in einem solchen Ausscheidungsturnier doch steckt, ist der Blick auf die Geschehnisse im Schweizer Cup naheliegend. Mit dem FC Basel, den Berner Young Boys und dem FC Zürich hat sich das gesamte Spitzentrio der Super League im Gleichschritt aus dem Wettbewerb verabschiedet. Basel und Zürich wurden dabei von unterklassigen Teams desavouiert. Der in dieser Saison so wiedererstarkte FCB blamierte sich mit einer 0:1-Niederlage bei Étoile Carouge – einer Equipe, die sich zwar regelmässig mit den Baslern misst. Aber nur mit der U21. In der drittklassigen Promotion League.

Jubel auch bei Promotion-Ligist Carouge, das den FC Basel sensationell aus dem Cup warf.

Jubel auch bei Promotion-Ligist Carouge, das den FC Basel sensationell aus dem Cup warf.

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Bei der FCZ-Achtelfinalpleite bei Yverdon-Sport betrug der Klassenunterschied «nur» eine Liga. Doch der nach mitreissendem Kampf im Penaltyschiessen errungene Sieg des Vorletzten der Challenge League hatte eine zusätzliche Bedeutung. Yverdon-Coach Uli Forte war im Februar 2018 bei den Zürchern entlassen worden – guten Ergebnissen und dem Aufstieg im Vorjahr zum Trotz. Er dürfte eine gewisse Genugtuung verspürt haben.

Gleich vier unterklassige Teams im Viertelfinal

Es hat im Turnierverlauf schon einige namhafte Clubs erwischt. Servette scheiterte in Thun; der FC Sion, für den der Cup immer besonders bedeutsam ist, hatte sich bereits eine Runde zuvor sang- und klanglos aus seinem Lieblingswettbewerb verabschiedet, als ihm beim Challenge-Ligisten Stade Lausanne-Ouchy eine 0:4-Schmach widerfuhr. Ouchy schockte den 13-maligen Sieger – um dann, eine Runde später, wider Erwarten am drittklassigen FC Biel zu scheitern.

Mit Carouge und Biel (beide Promotion League) sowie Yverdon und Thun (beide Challenge League) entstammen gleich vier der acht Mannschaften im Viertelfinal unterklassigen Ligen. Das war auch in den beiden Vorsaisons so – und unterstreicht doch nur die vermeintlich abgegriffene Eingangsfloskel.

Immerhin die beiden Vorjahresfinalisten hielten sich am Ende schadlos. Doch während sich der Titelverteidiger FC Luzern mehr oder weniger souverän in Schaffhausen durchsetzte, entging der FC St. Gallen einer Blamage nur knapp. Der FC Chiasso aus der Promotion League verlangte der Elf von Trainer Peter Zeidler alles ab, die Entscheidung zugunsten der Ostschweizer fiel erst in der Verlängerung.

Überraschungen auch in Deutschland

In Deutschland sind die vielfach beschworenen Cupgesetze nicht minder unbekannt – und vor allem nicht weniger treffend. Für den Serien- und Rekordmeister Bayern München, den Experten in jüngerer Vergangenheit mehrfach als beste Mannschaft der Welt belobigt hatten, war zum zweiten Mal in Folge bereits in Runde zwei des DFB-Pokals Endstation. Schweizer waren daran massgeblich beteiligt: Beim furiosen wie unerwarteten 5:0 von Borussia Mönchengladbach über desolate Münchner standen mit Yann Sommer, Nico Elvedi, Denis Zakaria und Breel Embolo gleich vier Nati-Stars in der Startformation; Letzterer avancierte mit vier direkten Torbeteiligungen – zwei Treffer, zwei Assists – zur herausragenden Figur des Abends.

Breel Embolo (rechts) leistete seinen massgeblichen Anteil am 5:0-Triumph seiner Mönchengladbacher Borussia über Bayern München.

Breel Embolo (rechts) leistete seinen massgeblichen Anteil am 5:0-Triumph seiner Mönchengladbacher Borussia über Bayern München.

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Das Kollektivversagen der Bayern blieb nicht die einzige Sensation in jener zweiten Pokalrunde. Auch Bayer Leverkusen mit dem Ex-YB-Erfolgscoach Gerardo Seoane blieb hängen, ein überaus enttäuschendes 1:2 gegen den Zweitligisten Karlsruher SC stand zu Buche. Vor heimischem Publikum. Der fünfmalige Pokalsieger Schalke 04, inzwischen Zweitligist, zog beim drittklassigen TSV 1860 München den Kürzeren. RB Leipzig sowie die beiden Berliner Vertreter Hertha und Union – bei den «Eisernen» steht mit Urs Fischer ein Schweizer an der Seitenlinie – bekundeten für ihre Pflichtsiege bei Underdogs mehr Mühe als erwartet.

Auslaufmodell Schweizer Cup?

Und doch haftet dem Cup hierzulande eine eher mittelmässige Reputation an. Bereits vor rund zehn Jahren sah Mämä Sykora, Chefredaktor des Fussballmagazins «Zwölf», den Schweizer Cup als Auslaufmodell und forderte eine grundlegende Reform. Der Niveauunterschied zwischen den Ligen sei etwa beträchtlich, «und die Schere geht noch immer weiter auf». Zudem gilt anzumerken, dass Super-League-Teams im Cup häufig rotieren und gegen unterklassige Gegner viele Reservisten aufbieten. So änderte der FC Basel seine Startformation in Carouge auf stolzen acht Positionen im Vergleich zum Ligamatch gegen den FC Lugano.

Dennoch: Dass der Pokal sportlich noch immer äusserst reizvoll sein kann, hat der bisweilen verkannte Wettbewerb in dieser Woche nochmals nahegelegt. Der Cup schreibt seine eigenen Gesetze.

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