Olympia-Kolumne
Wie zwei untersetzte Mittfünfziger um die Gunst halb so alter Japanerinnen buhlten – und wie ich zu einem Blind Date kam

Journalist Simon Häring berichtet hier von Nebenschauplätzen bei seinem Arbeitsaufenthalt bei den Olympischen Spielen in Tokio.

Simon Häring, Tokio
Simon Häring, Tokio
Drucken
Teilen
Beim Spucktest nach einem Foto fragen: Ging für den Lateinamerikaner schief. (Symbolbild)

Beim Spucktest nach einem Foto fragen: Ging für den Lateinamerikaner schief. (Symbolbild)

Moritz Hager / Limmattaler Zeitung

Athletinnen, Betreuer, Sponsoren, Journalisten – über 80'000 Menschen aus allen Winkeln der Erde sind für die Olympischen Spielen nach Japan gereist. Und wo so viele Menschen auf so engem Raum so viel Zeit miteinander verbringen, entsteht Nähe, und es kommt zwangsläufig auch zum einen oder anderen Annäherungsversuch – immer mit Abstand, versteht sich. Nicht alle dürfen als geglückt bezeichnet werden.

Als ich am Donnerstag meinen Spucktest abliefere, werde ich Zeuge eines besonders kläglichen Versuchs. Zwei untersetzte Mittfünfziger aus Lateinamerika versuchen, mit drei halb so alten japanischen Helferinnen ins Gespräch zu kommen. Wild gestikulierend und sichtlich hilflos, weil die Herren offenbar des Englisch nicht mächtig sind. Bis einer auf die glorreiche Idee kommt, Google Translator zu bemühen: «You are very beautiful. Can we take a photo?» Der Furchtlose kassiert einen Korb, vielleicht auch deshalb, weil es nicht besonders romantisch ist, wenn man mit einem Röhrchen gesammelter Spucke in der Hand den Hof macht.

Ich für meinen Teil will mich an diesem Nachmittag nur mit meinem guten Freund Cai-Simon im Main Press Center auf einen Kaffee treffen. Gar nicht so einfach, ist dieses doch im grössten Kongresszentrum des Landes, dem Big Sight seinen mit 265 700 Quadratmetern Fläche, untergebracht. Wir vereinbaren das «Media Café» als Treffpunkt. Nach 15 Minuten des Wartens schreibe ich: «Cai, wo bist du?» Antwort: «Sitze hier an einem Tischchen.» Und zwar mir gegenüber, getrennt sind wir nur durch eine Pappwand. So sehen sie also aus, Blind Dates im Jahr 2021.

Im Big Sight einen Freund zu treffen, stellte sich als gar nicht so einfach heraus.

Im Big Sight einen Freund zu treffen, stellte sich als gar nicht so einfach heraus.

Franck Robichon / EPA

Aktuelle Nachrichten