Ironman Hawaii
Der Körper hat Daniela Ryf im Stich gelassen: «Ich bin sehr enttäuscht. Ich habe auf dem Velo gelitten»

Daniela Ryf kann ihren WM-Titel beim Ironman auf Hawaii nicht verteidigen. Die Triathletin muss sich mit Rang acht begnügen. Die Bedingungen machten ihr mehr zu schaffen, als ihr lieb war.

Simon Wespi
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Eine sichtlich gezeichnete Daniela Ryf im Ziel mit der Zweitplatzierten Lucy Charles-Barclay.

Eine sichtlich gezeichnete Daniela Ryf im Ziel mit der Zweitplatzierten Lucy Charles-Barclay.

PD

Für einmal musste die Dominatorin der letzten Jahre Federn lassen. Daniela Ryf konnte beim Ironman auf Hawaii nicht reüssieren. Die Solothurnerin erreichte lediglich den achten Schlussrang. «Ich bin sehr enttäuscht. Das Rennen ist nicht so gelaufen, wie ich mir das vorgestellt habe.»

Mit sieben Minuten Rückstand auf die Führende Lucy Charles-Barclay kam Ryf aus dem Wasser. Auch auf der Radstrecke bekundete die 35-Jährige zu Beginn grosse Mühe. «Es war sehr harzig. Ich hatte grosse Mühe mit der Luftfeuchtigkeit, was mich sehr erstaunt hat. Der Köper hat heute nicht so mitgemacht, wie ich mir dies vorgestellt habe», sagte eine sichtlich enttäuschte Ryf hinterher.

Auf dem Rad konnte sie auf dem letzten Streckenabschnitt das Tempo erhöhen und sukzessive die Konkurrenz ein- und überholen. Als Führende, mit 17 Sekunden Vorsprung, schnürte sich Ryf die Laufschuhe. Doch ihr war bewusst: «Ich habe auf dem Velo deutlich mehr gelitten als auch schon.» Ryf nahm mehr Risiko als ihr lieb war: «Ich wollte das Rennen unbedingt gewinnen.»

Für Ryf, die auf Hawaii bereits fünf Mal triumphieren konnte, avancierte der Marathon zu einer Herkulesaufgabe.

«Ich merkte schnell, dass es harzig wird. Ich hatte Mühe mit der Hitze.»

Für die Triathletin stellt sich dabei ein grosses Rätsel. Kennt sie doch die Bedingungen auf Hawaii bestens. «Ich kann es mir nicht erklären.» Mit über 28 Minuten Rückstand auf die Siegerin überquerte sie in Kona die Ziellinie. Eine herbe Enttäuschung. «Ich werde mir die Zeit nehmen, das Rennen mit meinem Team zu analysieren», sagte Ryf, die sich nun eine mehrwöchige Auszeit nimmt.

Badmann hat die Nase weiterhin vorn

Für Ryf endet, nach Jahren grosser Erfolge, eine Saison mit Hochs und Tiefs. Rückblende: Im Herbst 2021 schaffte sie es erstmals nicht in die Top Ten auf Hawaii. Ryf nahm sich eine Auszeit. Danach setzte sie bei ihrem Körper einen Reset, wie sie es heute schildert. Der Aufbau dauerte sieben Monate. Die Rennen in dieser Zeit waren ernüchternd.

Der Befreiungsschlag gelang ihr schliesslich im Mai dieses Jahres, mit dem Sieg bei der Ironman-WM in St. George im US-Bundesstaat Utah. Das Rennen diente als Ersatz, für die im Oktober 2021 verschobenen Weltmeisterschaften, die erstmals ausserhalb von Hawaii durchgeführt wurden. Ryf bedeutete dieser Sieg sehr viel: «Das war ein unglaublich emotionaler Sieg», sagte sie danach.

Mit dem nun eingefahrenen Rückschlag verpasste Daniela Ryf auch die Möglichkeit um mit ihrer Landsfrau gleichzuziehen. Natascha Badmann konnte zwischen 1998 und 2005 sechs Mal gewinnen. Noch mehr WM-Titel stehen nur bei Paula Newby-Fraser aus Simbabwe im Palmarès: deren acht.

Den Titel sicherte sich Chelsea Sodaro. Die US-Amerikanerin gewann in 8:33:46 Stunden vor der Britin Charles-Barclay. Das Podest komplettiert die Deutsche Anne Haug.

Sodaro’s Überraschungssieg freut auch Ryf. «Ich freue mich für sie, dass es ihr zum Triumph reichte. Sie ist eine junge Mutter und hat einen grossen Respekt verdient» sagt Ryf und führt weiter aus: «Ich könnte mir dies nicht vorstellen, mit einem Kind so ein Trainingspensum zu absolvieren.» Worte, die einen grossen Champion auszeichnen. Nur heuer muss Ryf mit dem Platz neben dem Podest vorliebnehmen.