Gladbach im Tief
«Wir haben absolute Scheisse gespielt» – das Wundenlecken nach dem 0:6-Debakel

Borussia Mönchengladbach wird am Sonntag vom SC Freiburg vorgeführt und gedemütigt. Bereits nach 25 Minuten kassiert Yann Sommer 5 Gegentore. Rekord! Die Stimmen zur historischen Pleite.

Simon Wespi
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Konsternierte Schweizer: Denis Zakaria (links), Nico Elvedi (Mitte) und Goalie Yann Sommer.

Konsternierte Schweizer: Denis Zakaria (links), Nico Elvedi (Mitte) und Goalie Yann Sommer.

EPA

Die Zuschauer im Stadion und vor den TV-Geräten rieben sich verwundert die Augen. Borussia Mönchengladbach wurde am Sonntagabend regelrecht in seine Einzelteile zerlegt. Bereits nach 25 Minuten lagen die Borussen mit 0:5 im Rückstand. Am Ende resultierte gegen den SC Freiburg eine 0:6-Heimpleite.

Es ist erst wenige Wochen her, da sorgten die Gladbacher mit der 5:0-Gala im DFB-Pokal gegen den FC Bayern für Aufsehen. Doch die Feierlichkeiten am Niederrhein sind unlängst Geschichte. Der Frust mit zwei empfindlichen Niederlagen hat Einzug gehalten. Letzte Woche kassierte Gladbach eine 1:4-Pleite im Derby bei Köln, nun folgt der Tiefpunkt mit dem Debakel gegen Freiburg. Für die desolate Borussia ist dies die höchste Heim-Niederlage seit 23 Jahren. Im Oktober 1998 tauchte Gladbach mit 2:8 gegen Bayer Leverkusen.

Die Mannschaft von Yann Sommer, Nico Elvedi und Co. agierte kopf- und emotionslos. «In erster Linie gilt es sich zu entschuldigen für unseren Auftritt heute, der auch nicht zu akzeptieren ist», sagte Trainer Adi Hütter nach Spielende gegenüber DAZN. «Wer letzte Woche gedacht hatte, es geht nicht tiefer, ist heute eines Besseren belehrt worden», entgegnete der deutsche Nationalspieler Jonas Hofmannn und kritisierte, dass man «desolat verteidigt» habe. Auch Teamkollege Patrick Herrmann nahm kein Blatt vor den Mund:

«Es ist schwer, in Worte zu fassen. Wir haben in der ersten Halbzeit gar nicht stattgefunden, eine absolute Scheisse und Katastrophe gespielt.

Schon nach fünf Minuten stand es 0:2, weil die Borussen defensiv nahezu jeden Einsatz verweigerten. Zwei Gegentore in den ersten 300 Sekunden, das hatte es zuletzt vor 56 Jahren in der Bundesliga gegeben, damals gegen den Hamburger SV. Beim 0:3 sah auch Yann Sommer unglücklich aus. Der Schweizer Goalie konnte den Ball nur nach vorne abwehren, der Nachschuss zappelte dann im Netz. Bei allen anderen Toren war Sommer machtlos.

Obwohl die Gladbacher unter der Woche Standards trainiert hätten, gaben sie bei Freistössen ein unterirdisches Bild ab. So auch beim 0:5. Wiederum war ein Schweizer beteiligt. Nico Elvedi konnte per Kopf nur ungenügend klären, der Freiburger Lukas Höler nickte zum 5:0 ein.

Die gesamte Abwehr inklusive Elvedi erhielt vom «Kicker» die Note 6 (gleichbedeutend hierzulande mit der Note 1). Nach 29 Minuten kam Breel Embolo in die Partie. Der Stürmer gab dabei sein Comeback. Auch der Basler konnte die Schmach nicht mehr abwenden. Denis Zakaria spielte über die volle Spielzeit.

Die Rückendeckung für den Trainer

Fünf Tore nach 25 Minuten waren in der Bundesliga zuvor nur den Gladbachern selbst 1984 beim 10:0 gegen Eintracht Braunschweig gelungen, einer Auswärtsmannschaft hingegen noch nie. Angesichts des desolaten Auftritts konnten die Borussen froh sein, dass pandemiebedingt nur 10 025 Zuschauer bei der denkwürdigen Klatsche im Stadion zugegen waren. Viele Zuschauer waren zur Pause ohnehin nicht mehr da. Etliche hatten den Borussia-Park bereits verlassen.

Sportdirektor Max Eberl verteidigt Trainer Adi Hütter.

Sportdirektor Max Eberl verteidigt Trainer Adi Hütter.

Keystone

Sportdirektor Max Eberl rang nach dem Debakel nach Worten: «Es war teilweise schon surreal, was passiert ist. Man hat gemerkt, dass bei den Jungs totale Verunsicherung da war, keiner wollte den Ball mehr haben.» Die Trainerfrage stellt sich für Eberl jedoch (noch) nicht: «Wenn wir im Fussball dahin kommen, dass man zwei Spiele verliert und dann generelle Fragen gestellt werden, dann kann ich mich damit nicht identifizieren. Man entscheidet sich für etwas, man geht einen gemeinsamen Weg. Das heisst auch mal durch dick und dünn zu gehen und nicht sofort die Entscheidung zu nehmen, irgendetwas zu verändern.» Ein Statement für den ehemaligen YB-Trainer Adi Hütter. Nun ist die Mannschaft gefordert. Nächster Gegner sind die formschwachen Bullen aus Leipzig. Bei den Sachsen musste Trainer Jesse Marsch am Sonntag seinen Posten räumen.

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