Fussball-WM
Einschaltquote geht massiv zurück: Interesse am WM-Eröffnungsspiel deutlich geringer als vor vier Jahren

Die Kritik am umstrittenen Gastgeberland Katar zeigt offenbar Wirkung: Die Publikumszahlen in Deutschland sind im Vergleich zum Eröffnungsspiel 2018 deutlich gesunken. Erste Zahlen aus der Schweiz deuten indes auf keinen Rückgang hin.

Dan Urner
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Viele leere Sitze: Zahlreiche Zuschauerinnen und Zuschauer verliessen die Arena in Al Khor vorzeitig. Auch das TV-Publikum schien vom Eröffnungsspiel wenig angetan.

Viele leere Sitze: Zahlreiche Zuschauerinnen und Zuschauer verliessen die Arena in Al Khor vorzeitig. Auch das TV-Publikum schien vom Eröffnungsspiel wenig angetan.

Keystone

Dass sich die beissende internationale Kritik, der sich das WM-Gastgeberland Katar aus mannigfaltigen Gründen ausgesetzt sieht, tatsächlich in einem geringeren Interesse am umstrittenen Grossanlass niederschlägt, lässt sich erstmals mit Zahlen belegen. Die Einschaltquote des Eröffnungsspiels zwischen Katar und Ecuador erreichte in Deutschland bei weitem nicht jene von vor vier Jahren: Hatten 2018 mehr als zehn Millionen Menschen die Partie zwischen Russland und Saudi-Arabien verfolgt, schalteten am Sonntag im ZDF durchschnittlich gerade noch 6,21 Millionen Interessierte ein.

Der Marktanteil ging von 52 Prozent auf vergleichsweise mickrige 28,2 Prozent zurück. Auch in der werberelevanten Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen war ein ähnlicher Absturz zu beobachten. Zum Vergleich: Der ARD-«Tatort» kam beim Publikum ungleich besser an. Der TV-Kimi aus Dresden erreichte im Mittel 9,25 Millionen Zuschauer und Zuschauerinnen.

In der Schweiz deuten erste Zahlen indes auf keinen signifikanten Zuschauerrückgang hin. Der Spitzenwert legte im Vergleich zu 2018 gar von 380'000 auf 537'000 Zuschauerinnen und Zuschauern zu, wie SRF auf Anfrage mitteilte. Der Marktanteil sank von 46,2 Prozent auf 45,5 Prozent unwesentlich. Anzumerken ist dabei, dass die kommunizierten Zahlen für die Schweiz nicht die relevanteren Durchschnittswerte darstellen. Diese sollen erst am Dienstag feststehen.

«Nach dem Eröffnungsspiel lässt sich das Publikumsinteresse an dieser WM noch nicht einordnen. Zudem ist die WM in Katar die erste WM, die in der Vorweihnachtszeit stattfindet», fügte SRF erläuternd an. Die Publikumszahlen seien nur eingeschränkt mit den Zahlen früherer Weltmeisterschaften vereinbar.

Im Stadion kaum Begeisterung

Für den etwa für seine fehlende Achtung der Menschenrechte und seinen repressiven Umgang mit Homosexualität kritisierten WM-Ausrichter Katar verkam die WM-Eröffnung in jedem Fall ohnehin zu einem veritablen PR-Desaster. Nicht nur sportlich lief der Auftakt unrund – beim 0:2 gegen keineswegs glänzende Ecuadorianer trat Katar erschreckend zahnlos auf –, auch die Inszenierung als fröhliches Fussballfest funktionierte alles andere als reibungslos.

Zwar verstieg sich Katars Nationaltrainer Félix Sánchez zur beinahe grotesken Behauptung, die Atmosphäre in der Arena sei «grossartig» gewesen. Und nach Fifa-Angaben hatten sich auch mehr als 67’000 Zuschauerinnen und Zuschauer im Al-Bayt-Stadium in Al Khor eingefunden. Bloss schien ihnen die enttäuschende Darbietung des WM-Gastgebers derart auf das Gemüt zu schlagen, dass sie die Abreise schon lange vor dem Abpfiff antraten. TV-Bilder belegten, wie sich die Ränge bereits im Laufe der zweiten Halbzeit nach und nach lichteten, bei Spielende war das Stadion gerade noch zur Hälfte gefüllt. ZDF-Kommentator Béla Réthy liess der Exodus einigermassen entsetzt zurück: «So etwas habe ich noch nie gesehen – und das ist meine zehnte Weltmeisterschaft.»