Fussball Nations League
2:1 in Spanien – der grösste Sieg der Nati unter Murat Yakin

Dank Toren von Manuel Akanji und Breel Embolo besiegt die Schweiz in Saragossa Spanien 2:1. Damit reicht am Dienstag gegen Tschechien ein Unentschieden, um den Abstieg aus der Liga A der Nations League zu verhindern.

Etienne Wuillemin, Saragossa
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Breel Embolo jubelt über sein Tor zum 2:1.

Breel Embolo jubelt über sein Tor zum 2:1.

Keystone

Darf das wahr sein? So nahe am Sieg und dann mit dem letzten Angriff doch noch um den Ertrag gebracht? Es läuft bereits die Nachspielzeit, als Carlos Soler im Strafraum zum Abschluss kommt. Der Ball fliegt aufs Tor – aber da taucht Yann Sommer und pariert den Versuch tatsächlich!

Wenig später ist es vollbracht. Die Schweiz besiegt Spanien 2:1. Genau zwei Monate vor dem ersten WM-Spiel gegen Kamerun hat die Nati erneut eine Mannschaft der Weltklasse besiegt. Im Juni gelang ein 1:0 gegen Portugal, das war zu Hause und eine starke Reaktion auf zuvor drei Niederlagen. Der Sieg in Spanien ist indes noch höher einzustufen.

Fünfmal alleine in den letzten vier Jahren traf die Nati auf Spanien. Immer war sie knapp dran. Zum Sieg reichte es dennoch kein einziges Mal. Nie war das bitterer als im EM-Viertelfinal, als die Spanier im Elfmeterschiessen triumphierten.

Nun ist eine kleine Revanche geglückt. An der WM können sich die Schweizer von diesem Erfolg zwar nichts kaufen – doch sie werden mit ein bisschen breiterer Brust nach Katar reisen. Das ist, nachdem in den ersten fünf Länderspielen des Jahres kein einziger Sieg gelang, eine erstaunliche Entwicklung.

Embolo und Akanji treffen für die Schweiz. Beide nach einem Eckball. Jeweils von Ruben Vargas getreten. Auch das ist eine besondere Geschichte, gehörte Vargas doch zu jenen Spielern, die im EM-Viertelfinal vom Penaltypunkt scheiterten.

Der Sieg in Spanien bedeutet, dass die Schweiz in ihrer Nations-League-Gruppe den letzten Platz an Tschechien übergibt. Ein Unentschieden am Dienstag reicht damit, um den Abstieg zu verhindern.

Das frühe Schweizer Ausrufezeichen

19 Jahre lang mussten die Bewohner der Stadt warten, bis ihre «Selección» endlich wieder einmal zu Gast ist. Entsprechend frenetisch empfingen die 31809 Zuschauer ihre Spieler. Die Atmosphäre im 1957 gebauten, aber immer noch charmanten «La Romareda» ist herausragend – zumindest 20 Minuten lang.

Dann setzt Manuel Akanji der spanischen Party ein Ende. Nach einem hervorragenden Eckball von Vargas bringt er die Schweizer per Kopfball 1:0 in Führung. Ein bisschen überraschend, das schon. Aber auch nicht unverdient. Weil es die Schweizer verstehen, das ewige Ballgeschiebe der Spanier auszuhalten, ohne je ihre Ordnung zu verlieren.

Wirklich gefährlich wird es für Yann Sommer in der ersten Hälfte nie. Es entwickelt sich ein Fussballspiel, das vor allem aus taktischer Sicht hochspannend ist. Aber punkto Unterhaltung nicht in ewiger Erinnerung bleibt.

Das muss die Schweizer nicht weiter stören. Nationaltrainer Murat Yakin hat das Team perfekt eingestellt. Die Rädchen auf dem Feld greifen ineinander. Wenn die Nati punktuell zum Pressing ansetzt, dann funktioniert das, weil jeder mitmacht. Die Schweizer verschieben in der Defensive gut, es entstehen kaum je Löcher. Besonders erwähnenswert ist vielleicht Djibril Sow. Der Mittelfeldspieler aus Frankfurt nimmt Spaniens Schaltzentrale Busquets fast gänzlich aus dem Spiel.

Ganz alles ist aber auch in der ersten Hälfte nicht gut. Die Nati begeht noch immer zu viele kleine Fehler. Alleine Widmer verliert innert zehn Minuten dreimal den unnötig den Ball. Zuvorderst gelingt es Embolo kaum je, einen Ball zu halten. Ihm geht die Bindung zum Spiel völlig ab.

Die starke Reaktion nach dem Ausgleich

Zur zweiten Hälfte erscheint der Ricardo Rodriguez nicht mehr. Er war zuletzt krank und muss nun wegen leichten Atemproblemen aufgeben. Yakin wechselt für ihn wie schon zuletzt beim 1:0-Sieg über Portugal Renato Steffen ein. Die Position des Linksverteidigers ist so etwas wie eine Schweizer Achillesferse, weil eine echte Alternative zu Rodriguez fehlt. Steffen erledigt seine Aufgabe solid – mit einer Ausnahme, als er mit einem Rückpass beinahe ein Eigentor produziert.

Der Ausgleich der Spanier fällt gleichwohl ziemlich schnell nach dem Seitenwechsel. Die Schweizer lassen sich für einmal herauslocken. Auf der linken Seite geht Jordi Alba vergessen, dieser hämmert den Ball zum 1:1 unter die Latte.

55 Minuten sind da gespielt. Die Schweizer Reaktion darauf ist indes eindrücklich. Sie orientieren sich wieder nach vorne. Shaqiri taucht alleine vor dem Tor auf, trifft den Posten und danach neben das Tor, wobei der Treffer wegen Offside nicht zählen würde. Kurz darauf der nächste Eckball. Wieder herausragend getreten von Vargas, auf den ersten Pfosten, Akanji verlängert mit dem Fuss – und Embolo lenkt den Ball über die Linie, 2:1, die Schweizer führen bereits wieder.

Ein paar Minuten sind die Spanier geschockt darob, schon wieder einem Rückstand hinterherrennen zu müssen. Den Ball haben sie in ihren Reihen, natürlich, aber es fällt ihnen damit reichlich wenig ein. Die Minuten verrinnen. Immer näher rückt die Schweiz diesem grossen Sieg. Erst ein einziges Mal haben sie die Spanier in ihrer Länderspiel-Geschichte bezwungen, 2010 war das, an der WM, als die Spanier danach gleichwohl Weltmeister wurden und die Schweizer den Achtelfinal verpassten.

Fünf Minuten plus Nachspielzeit noch. Ein letzter Wechsel von Yakin. Nach Zakaria, Ndoye und Aebischer hilft jetzt auch Seferovic mit, das Resultat über die Zeit zu bringen. Es gelingt tatsächlich. Die Vorfreude auf die WM kann so richtig beginnen.

Die Bilder zum Spiel:

Xherdan Shaqiri im Duell mit Pedri.
8 Bilder
Spaniens Torhüter, Unai Simon, hatte gegen die Schweiz mehr zu tun als ihm lieb war.
Breel Embolo mit unermüdlichem Einsatz.
Murat Yakin dirigiert seine Elf zum Sieg über Spanien.
Die Schweizer bejubeln das 1:0 durch Manuel Akanji.
Das Stadion in Saragossa ist mit 32'000 Zuschauern ausverkauft.
Breel Embolo feiert sein Tor zum 2:1.
Die Spanier nach dem Gegentreffer «not amused».

Xherdan Shaqiri im Duell mit Pedri.

Bilder: Keystone

Die Reaktionen zum Spiel:

Verteidiger Manuel Akanji krönt eine starke Partie mit seinem ersten Tor für die Nationalmannschaft: «Es wurde auch mal Zeit. Die drei Punkte freuen mich sehr. Auch weil ich für einmal zwei Skorerpunkte dazu beigetragen habe. Die Defensivleistung war sehr gut. Da können wir heute sehr zufrieden sein.»

Trainer Murat Yakin ist hocherfreut und erklärt den Erfolg: «Es war eine reife, solidarische Leistung meines Teams. Wir haben es geschafft, die Spanier kaum spielen zu lassen.»