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Die grosse Krise im Bernbiet: Langnau hat den Trainer gefeuert, der SC Bern noch nicht: Zwei «Karikaturen» an der Bande

In Langnau kommt Yves Sarault - aber nur bis zum Ende der Saison. So muss er auf niemanden Rücksicht nehmen.

Klaus Zaugg
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Letztes Spiel der Langnauer mit Trainer Jason O’Leary (oben links) am 14. Januar gegen Servette: nun das Aus.

Letztes Spiel der Langnauer mit Trainer Jason O’Leary (oben links) am 14. Januar gegen Servette: nun das Aus.

Bastien Gallay/Freshfocus

Die SCL Tigers und der SC Bern spielen auf der gleichen Bühne. Aber die Unterschiede sind immens. Die Stadtberner setzen in guten Zeiten rund 60 Millionen um, die Langnauer nicht einmal 20. In Langnau eilen pro Spiel weniger als 5000 Frauen, Männer und Kinder ins Stadion. In Bern sind es auch diese Saison über 13 000 Zuschauer. Aber nun sind beide in der Krise vereint auf gleichem Level.

Das 1:4 gegen Servette war für den SC Bern die neunte Niederlage in den letzten elf Spielen. Die SCL Tigers stehen mit den besten Ausländern der Klubgeschichte nach neun Pleiten in elf Partien immer noch dort, wo sie vergangene Saison schon waren, als sie oft ohne Ausländer auskommen mussten: chancenlos auf Platz 12. Die Krise personifiziert der Trainer. Die Langnauer haben Jason O'Leary, seit Anfang Saison im Amt, am Sonntag gefeuert und durch Yves Sarault ersetzt.

In Langnau kommt nun Yves Sarault an der Bande zum Zug.

In Langnau kommt nun Yves Sarault an der Bande zum Zug.

Bild: Melanie Duchene / KEYSTONE

In Bern ist der Schwede Johan Lundskog noch im Amt

Warum hat Langnau gehandelt und Bern noch nicht? Jason O’Leary ist bis zur Karikatur ein Produkt der nordamerikanischen «Sheriff-Kultur»: Ich bin der Boss. Es genügt, wenn ich in der Mannschaft zwei, drei Hilfssheriffs um mich habe. Dann parieren alle. Da aber den Jungs auch mal «Shit» gegeben und der Chef herausgekehrt werden muss, bekommen die Mitläufer und vor allem die jungen Spieler ständig den Zorn des Trainers zu spüren. So hat sich der Kanadier ins Abseits manövriert.

Sein Führungsstil hat zu einer Aufsplitterung der Kabine in drei Gruppen geführt: die Ausländer, die immer mehr frustrierten Jungen und die Gruppe der Unentschlossenen um dem opportunistischen Captain Pascal Berger.

Das Kandidatenkarussell dreht bereits

Solange die Ausländer gerockt haben, musste der Trainer nicht um seinen Job bangen. Aber inzwischen hat Topskorer Jesper Olofssson schon seit sechs Partien nicht mehr getroffen. Die Leitwölfe sind zum Schluss gekommen, dass es mit dem Chef nicht mehr geht und Präsident Peter Jakob hat eingesehen, dass er seinen zahlenden Kunden (Fans und Sponsoren) eine Fortsetzung im gleichen Stil nicht mehr zumuten kann.

Yves Sarault, der legendäre Leitwolf des SCB-Meisterteams von 2004 weiss bereits, dass er nur bis Ende Saison bleiben wird und muss auf niemanden Rücksicht nehmen. Nächste Saison soll ein Schweizer an der Bande stehen. Die Kandidaten: Michael Liniger (GCK Lions) und Kevin Schläpfer (Langenthal). Langnaus Glück: Jason O’Leary ist der billigste Coach der Liga. Er verdient netto nur 120 000 Franken. Weil er bereit war, für so wenig Geld zu arbeiten, hat er einen Zweijahresvertrag bekommen, aus dem die Langnauer nicht aussteigen können. Das Gehalt wird dem gefeuerten Trainer pünktlich weiterbezahlt, in der Hoffnung, er möge bald wieder einen Job finden.

Vielleicht in Visp? Immerhin hat O’Leary ja 2019 mit Langenthal die Swiss League gewonnen.

Die nächste Saison ist in Planung

SCB-Trainer Johan Lundskog, ebenfalls seit Saisonstart im Amt und mit Vertrag bis 2023, ist bis zur Karikatur ein Produkt der schwedischen Harmonie- und Taktikkultur. Fachlich hoch qualifiziert, aber ohne Charisma, analysiert er alles in Grund und Boden, bis auch noch die Emotionen versachlicht sind.

Der SC Bern ist in die tiefste Krise seit dem Wiederaufstieg von 1986 geraten und wird zum dritten Mal in Serie die direkte Playoff-Qualifikation verpassen. Aber die Erfolge der letzten Jahre (Meister 2016, 2017 und 2019) sind Manager Marc Lüthi und seiner Entourage zu Kopfe gestiegen.

Eine Entlassung des Trainers wäre ein weiteres Eingeständnis der sportlichen Misswirtschaft. Sie ist ohnehin nicht nötig: Es kann ja niemand absteigen, für nächste Saison sind bereits ein paar gute Transfers unter Dach und Fach und dann wird man sicherlich besser sein. Und vor allem: Fans und Sponsoren zahlen ja sowieso.

Aber die Berner und Langnau spielen auf der gleichen Bühne und unterliegen den gleichen «ewigen» Gesetzen: Irgendwann ist es eine Niederlage zu viel. Bei Langnau war es das 1:5 am Freitag in Genf. Beim SC Bern war es das 1:4 gegen Servette am Samstag (noch) nicht

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