Wenn die Coronakurve wieder ansteigt, werden Kläranlagen wertvolle Daten liefern

Nach den Lockerungen für die Wirtschaft wollen Forscher den Wiederanstieg der Infektionen mit Daten aus dem Abwasser überwachen. In ersten Proben konnten sie bereits Erbmaterial des Virus nachweisen. Ziel ist ein effizientes Frühwarnsystem.

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Das Erbmaterial der Viren lässt sich im Abwasser aufspüren. Damit werden Kläranlagen zu einer Art Frühwarnsystem beim Wiederanstieg der Infektionen.

Das Erbmaterial der Viren lässt sich im Abwasser aufspüren. Damit werden Kläranlagen zu einer Art Frühwarnsystem beim Wiederanstieg der Infektionen.

Keystone

(wap) Fieberhaft arbeitete ein Forscherteam des ETH-Wasserforschungsinstituts Eawag in den letzten Wochen an einem ehrgeizigen Projekt: Anhand von Virus-Erbmaterial im Abwasser versuchten sie, den Verlauf der Pandemie in der Schweiz zu rekonstruieren. Würde dies gelingen, so die Hoffnung der Forscher, könnten Kläranlagen als Frühwarnsystem dienen: Das Abwasser könnte unabhängig von den knappen Tests aufzeigen, wie schnell sich die Bevölkerung durchseucht.

Nun meldet die Eawag den Durchbruch. In Proben aus Zürich und Lugano, die in den ersten Tagen der Epidemie genommen wurden, liess sich Erbmaterial des Virus nachweisen – dies war in die Kläranlagen gelangt, als es in Lugano einen und in Zürich sechs bekannte Fälle gab. Das spricht für die Genauigkeit der Messmethode.

Mit 20 Kläranlagen soll nun ein Frühwarnsystem aufgestellt werden, das die Auswirkungen der vom Bundesrat beschlossenen Lockerungen schnell anzeigt. Sobald die Zahl der Infektionen wieder zunehme, sei das im Abwasser rund eine Woche früher erkennbar als über die klinische Tests von Patienten mit Symptomen, erklärt Eawag-Umweltingenieur Christoph Ort in einer Mitteilung.