Umwelt
ETH-Studie: Plastik-Produktion ist schädlicher als bisher gedacht

Die Produktion von Kunststoffen ist schädlicher für Umwelt und Gesundheit als bisher angenommen. Das zeigen Forschende der ETH, welche die weltweite Wertschöpfungskette von Kunststoffen analysiert haben.

André Bissegger
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Der Einsatz von Kohle für die Produktion von Kunststoffen treibt dessen Fussabdruck in die Höhe. (Symbolbild)

Der Einsatz von Kohle für die Produktion von Kunststoffen treibt dessen Fussabdruck in die Höhe. (Symbolbild)

Keystone

Bislang konzentrierte sich die Forschung bezüglich der Umweltfolgen von Plastik vor allem auf die Entsorgungsphase. Doch nun haben Forschende der ETH Zürich die weltweite Wertschöpfungskette von Kunststoffen über einen Zeitraum von zwei Jahrzehnten untersucht, wie die Hochschule am Donnerstag mitteilte. Dabei ermittelten sie die Treibhausgasemissionen, die über den gesamten Lebenszyklus von Kunststoffen hinweg entstehen – von der Produktion über die Nutzung bis zum Lebensende.

Die Resultate der Studie, die in «Nature Sustainability» erschienen sind, sind überraschend: Die Klima- und Gesundheitsfolgen von Plastik seien in der Produktion grösser als erwartet. Die ETH-Forschenden konnten nachweisen, dass doppelt so viel fossile Energie für die Plastikproduktion verbrannt wird wie als Rohstoff in Plastik enthalten ist.

«Selbst in einem Worst-Case-Szenario, in dem alle Kunststoffe verbrannt würden, verursacht deren Produktion den Löwenanteil der gesamten Treibhausgas- und Feinstaubemissionen», wird Co-Autorin Livia Cabernard in der ETH-Mitteilung zitiert. Fazit: Die ganze Produktionsphase von Plastik sei mit 96 Prozent für den weitaus grössten Teil des Kohlenstoff-Fussabdrucks von Kunststoffen verantwortlich.

Eingesetzte Kohle als Hauptgrund

Zudem konnten die Forschenden zeigen, dass sich der globale Kohlenstoff-Fussabdruck von Kunststoffen zwischen 1995 und 2015 verdoppelt hat und im Jahr 2015 zwei Milliarden Tonnen CO2-Äquivalent erreichte. Dies entspreche 4,5 Prozent der globalen Treibhausgas-Emissionen. Im gleichen Zeitraum stieg der globale Gesundheitsfussabdruck von Kunststoffen durch Feinstaubbelastung um 70 Prozent. Das kostete im Jahr 2015 rund 2,2 Millionen gesunde Lebensjahre.

Als Hauptgrund für die wachsende Treibhausgasbilanz von Kunststoffen sehen die Forschenden «die boomende Plastikproduktion in kohlebasierten Schwellenländern» – also beispielsweise in China, Indien, Indonesien und Südafrika. In diesen Ländern würden die Energie und Prozesswärme für die Produktion von Plastik primär aus der Verbrennung von Kohle stammen. Ausserdem werde Kohle zu einem geringen Teil auch als Rohstoff für Plastik genutzt. Durch das Verbrennen von Kohle entsteht auch der gesundheitsschädigende Feinstaub.

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