Überfordert und alleingelassen: Wer Angehörige pflegt, leidet selber

Eine Studie der Zürcher Fachhochschule bestätigt, was in der Politik schon länger diskutiert wird: Die externe Versorgung ist in der Schweiz lückenhaft. Betreuende erhalten kaum Unterstützung.

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Wer Angehörige zu Hause pflegt, leidet laut Zürcher Forschern meist selber.

Wer Angehörige zu Hause pflegt, leidet laut Zürcher Forschern meist selber. 

Symbolbild: Urs Bucher

(wap) Ohne sie wären die Pflegekosten um ein Vielfaches Höher: Betreuende Angehörige sind in der Schweiz nach wie vor die wichtigste Stütze der häuslichen Langzeitversorgung. Diese Annahme bestätigt eine am Donnerstag veröffentlichte Studie der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften (ZHAW). Unterstützt würden die Helden des Alltags aber kaum. Vielmehr berge der Einsatz für die Angehörigen gar das «Risiko der Isolation und der Überlastung», halten die Studienautoren fest. Oft seien sich die Betreuer der Gefahren am Anfang nämlich zu wenig bewusst, lässt sich Studienleiter André Fringer vom ZHAW-Departement Gesundheit in einer Medienmitteilung zitieren.

Das fatale Resultat: «Ein Drittel fühlt sich im Betreuungssetting gefangen.» Das erstaunt angesichts der Zahlen zum geleisteten Aufwand nicht. Rund ein Viertel der Befragten gab nämlich an, über 15 Stunden am Tag für die Versorgung nahestehender Personen aufzuwenden. Dabei sei es wichtig, dass den Betroffenen externe Angebote näher gebrachten würden. Heute betrachte man dies oft als «Hol-Schuld». Das müsse sich ändern, so die Studienautoren. Es sei wichtig, dass Hausärzte und Spitex im Einzelfall stärker in die Pflege eingebunden würden.

In der Politik ist das Thema bereits angekommen. So haben Nationalrat und Ständerat Ende letzten Jahres beispielsweise einem sogenannten Betreuungsurlaub zugestimmt. Vorgesehen ist, dass wer Angehörige betreut, dafür künftig bis zu zehn Tage bezahlten Urlaub pro Jahr erhält. Pro Ereignis sind höchstens drei Tage vorgesehen. Eltern schwerkranker Kinder können sogar bis zu 14 Wochen Betreuungsurlaub nehmen. Finanziert werden soll dieser über die Erwerbsersatzordnung (EO). Der Bundesrat schätzte die Kosten laut der verabschiedeten Vorlage auf 75 Millionen Franken im Jahr. Der EO-Beitragsatz müsse deswegen nicht erhöht werden.