Swiss Medical Board warnt vor zu hohem Schlafmittelkonsum – erst recht im Alter

Laut einer Studie des unabhängigen Schweizer Vereins für Medizintechnik-Folgenabschätzung bereitet der Konsum von Schlafmitteln in der Schweiz Grund zur Besorgnis.

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Zu oft konsumiert in der Schweiz: Schlafmittel.

Zu oft konsumiert in der Schweiz: Schlafmittel.

Symbolbild: Sibylle Kloser

(sat) Bei Angstzuständen und Schlafstörungen verschreiben Ärzte häufig sogenannte Benzodiazepine. Diese Medikamente gehören zwar zu den weltweit am meisten verschriebenen. Dennoch können sie Nebenwirkungen haben, die mit höherem Alter zunehmen, schreibt das unabhängige Swiss Medical Board (SMB) in einer Mitteilung vom Montag.

Überhaupt sollten Benzodiazepine nicht während längerer Zeit eingenommen werden, hält der unabhängige Schweizer Verein für Medizintechnik-Folgenabschätzung fest. Grosse Studien zeigten nämlich, dass sich vor allem bei älteren Menschen das Risiko für Verwirrtheitszustände und Unfälle mehr als verdoppelt, wenn Benzodiazepine oder andere Beruhigungs- oder Schlafmittel verordnet werden.

Aufgrund von Hinweisen, dass die weltweite Empfehlungen zum zurückhaltenden Konsum von Benzodiazepine in der Schweiz zu wenig Beachtung fänden, hat das SMB beim Centre universitaire de médecine générale et santé publique (Unisanté) in Lausanne eine Studie in Auftrag gegeben. Deren Studienresultate, die auf anonymisierten Daten der Krankenkasse Groupe Mutuel basierten, sind eben in der Wissenschaftszeitschrift «BMJ Open» veröffentlicht worden.

Insgesamt wurden 69’005 über 65-Jährige in die Studie einbezogen. Eine vertiefte Analyse zeigt nun laut SMB, dass die Zahl der Benzodiazepin-Verschreibungen mit dem Alter zunahm, dass Frauen Benzodiazepine etwa doppelt so häufig verwendeten wie Männer und dass Versicherte mit einer Franchise von 2'500 Franken wesentlich seltener Benzodiazepine einnahmen als Versicherte mit einer Franchise von 300 Franken.

Die Studie fand laut Mitteilung zudem auch einen Zusammenhang zwischen Benzodiazepin-Gebrauch und unfallbedingtem Krankenhausaufenthalt sowie der Höhe der Gesundheitsausgaben. Zudem wurden grosse Unterschiede im Verschreibungsverhalten den untersuchten Westschweizer Kantonen sowie den Kantonen Aargau und Basel beobachtet.

Für den Expertenrat des Swiss Medical Board sind die Resultate eine Bestätigung dafür, dass die Empfehlungen der Fachgesellschaften in der Praxis zu wenig Beachtung finden. Er bedauert in der Mitteilung zudem, dass die Studie auf jene Kantone beschränkt war, in denen keine Selbstdispensation möglich ist; die Generalisierbarkeit der vorliegenden Ergebnisse auf die ganze Schweiz sei daher eingeschränkt. Der Expertenrat würde es begrüssen, wenn die Fachgesellschaften die bereits begonnenen Anstrengungen zur Senkung des Benzodiazepin-Konsums intensiv weiterverfolgten.