Suchtverhalten
Trotz Abgabeverbot: Zigarettenkonsum der Jugendlichen geht kaum zurück – ganz anders als beim Alkohol

Jugendliche verzichten wegen des Abgabeverbots von Zigaretten an Minderjährige kaum aufs Rauchen. Das zeigt eine neue Studie der Universitäten Basel und Lausanne.

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Die Jugendlichen nehmen das Rauchen nicht als schädlicher wahr, als vor dem Abgabeverbot.

Die Jugendlichen nehmen das Rauchen nicht als schädlicher wahr, als vor dem Abgabeverbot.

Oliver Menge

Das Verkaufsverbot von Zigaretten an Jugendliche scheint kaum Einfluss auf das Konsumverhalten der Zielgruppe zu haben. Zu diesem Schluss kommt eine am Montag publizierte Studie der Universitäten Basel und Lausanne. Untersucht wurde die Entwicklung des Zigarettenkonsums der Jugendlichen vor und nach der Einführung des Abgabeverbots in den jeweiligen Kantonen. Das Verbot wurde seit 2006 nach und nach in allen Kantonen, ausser Appenzell Innerrhoden und Schwyz eingeführt. In mehr als der Hälfte der Kantone gilt sie bis 18 Jahren, so auch in Bern, Baselland und -stadt sowie Solothurn, In Aargau, Zürich, St. Gallen und Luzern etwa gilt sie nur bis 16 Jahren.

Für die Studie wurden über 80'000 unter 21 -Jährige zwischen 2001 und 2016 zu ihrem Zigarettenkonsum und ihrer Einstellung dazu befragt. Dabei habe sich gezeigt, dass das Abgabeverbot höchstens zu einer kleinen Reduktion des Tabakkonsums geführt hat, halten die Studienautoren fest. Junge Erwachsene, die als Jugendliche keine Zigaretten kaufen konnten, tendieren nicht dazu, weniger zu rauchen.

Auch habe das Verbot kaum Einfluss auf das Image von Rauchern bei den Jugendlichen gehabt. So würden Jugendliche das Rauchen auch nicht als schädlicher einschätzen als vor der Einführung des Verbots.

Der Freundeskreis als «Versorger»

Die Autoren gehen davon aus, dass die Jugendlichen Zigaretten einfach über ihren Freundeskreis beziehen und nicht etwa über den Kiosk. «Man sollte sich daher bewusst sein, dass Abgabeverbote – zumindest, wenn sie nicht mit polizeistaatlichen Massnahmen umgesetzt werden – kaum zu einer grossen Verringerung der Rauchprävalenz beitragen», so Alois Stutzer, einer der Studienautoren.

Beim Alkohol habe sich hingegen genau das Gegenteil erwiesen: Dort würde das Abgabeverbot an Jugendliche eine Wirkung zeigen. Warum das so ist, werde künftig weiter untersucht. (gue/rwa)

«Tobacco sales prohibition and teen smoking», Journal of Economic Behavior & Organization (2021); Armando N. Meier, Reto Odermatt and Alois Stutzer

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