Impfstoff
Affenpocken: Die Schweiz ist eines der am stärksten betroffenen Länder der Welt

Die Genfer Infektiologin Alexandra Calmy warnt, die Schweiz sei eines der am stärksten von den Affenpocken betroffenen Länder der Welt. Und sie kritisiert, dass hierzulande keine Impfung zugelassen ist.

Drucken
Alexandra Calmy kritisiert die abwartende Haltung der Schweizer Behörden im Umgang mit dem Affenpocken-Virus.

Alexandra Calmy kritisiert die abwartende Haltung der Schweizer Behörden im Umgang mit dem Affenpocken-Virus.

Keystone

Gemessen an der Anzahl Falle pro Million Einwohner sei die Schweiz das am sechstmeisten betroffene Land der Welt, rechnete Alexandra Calmy vom Genfer Universitätsspital am Montag gegenüber dem Westschweizer Fernsehen RTS vor. Die Infektiologin fordert darum, dass der Bund vorwärts macht bei der Zulassung einer Impfung gegen das Virus. «Man muss nicht auf den ersten Todesfall in der Schweiz warten», sagte Calmy.

Während es in den USA, in Kanada und einigen EU-Ländern bereits eine Impfung gegen die Krankheit gibt, ist diese in der Schweiz bislang nicht erhältlich. Ihr seien Fälle bekannt, in denen Personen bis nach Kanada gereist seien, um eine Dosis zu erhalten, sagte Alexandra Calmy. RTS hatte gleichentags zudem berichtet, dass Impfwillige aus der Schweiz von französischen Impfzentren abgewiesen worden seien.

«Die Leute sind sehr kreativ, wenn es darum geht, eine Impfung zu erhalten», sagte Alexandra Calmy weiter. Es sei aber bedauerlich, dass die Menschen zu Schummeleien greifen müssten für etwas, auf das sie eigentlich ein Recht hätten, findet die Infektiologin.

Der Druck auf den Bundesrat wächst

Bis am 15. August hatte das Bundesamt für Gesundheit (BAG) 387 laborbestätigte Fälle von Affenpocken gemeldet. Das ursprünglich aus Afrika stammende Virus hat sich in den vergangenen Wochen in den westlichen Ländern stark ausgebreitet.

Betroffen sind fast ausschliesslich Männer, die Sexualkontakt mit anderen Männern haben. Diese können aber auch heterosexuelle Erwachsene, Kinder und alte Menschen anstecken. Die Schwulenorganisation Pink Cross forderte den Bundesrat deshalb letzte Woche beispielsweise dazu auf, sofort die sogenannt «besondere Lage» auszurufen und der Risikogruppe eine Impfung zugänglich zu machen. Das ist bislang laut der Website des BAG nicht der Fall. Und es ist auch nicht bekannt, dass dafür in der Schweiz bereits ein Zulassungsgesuch gestellt worden wäre. (wap)