Forschung
Wenn die Bremse im Kopf ausfällt: Uni Genf forscht zu Kokainabhängigkeit

Nur jeder fünfte Kokainkonsument entwickelt eine Abhängigkeit. Der Botenstoff Serotonin wirkt offenbar wie eine natürliche Bremse. Dies legt eine Studie der Universität Genf nahe.

Drucken
Teilen
Viele Drogen wie Kokain machen nur eine Minderheit der Konsumierenden abhängig. Die Uni Genf erforscht die Gründe dafür.

Viele Drogen wie Kokain machen nur eine Minderheit der Konsumierenden abhängig. Die Uni Genf erforscht die Gründe dafür.

Keystone

Für die Studie wurde Mäusen Kokain verabreicht. Die Tiere konnten sich dabei selbst bedienen, mussten aber bei der Einnahme mit einem negativen Anreiz rechnen. Griffen sie zur Droge, erhielten sie einen Stromschlag oder einen Luftstoss. In der Folge beobachteten die Forscher, wie sich das Konsumverhalten der Mäuse entwickelte. Das Resultat: 80 Prozent der Versuchstiere hörten mit dem Konsum auf. 20 Prozent dagegen machten trotz der Schmerzen weiter. Dies widerspiegele die Verhältnisse beim Menschen, schreibt die Universität Genf in einer Mitteilung vom Freitag. Bei Kokain werde nämlich geschätzt, dass nur 20 Prozent der Konsumentinnen und Konsumenten süchtig seien.

In einem zweiten Durchlauf blockierten die Genfer Forschenden den Mäusen dann den Botenstoff Serotonin. So konnte das Belohnungszentrum in ihrem Gehirn nur noch von einem anderen wichtigen Botenstoff gesteuert werden: Dopamin. Nun machten 60 Prozent der Mäuse mit dem Konsum von Kokain weiter. Das Serotonin wirke also wie eine chemische Bremse im Gehirn, die den Impuls zum Drogenkonsum dämpfe, folgern die Forschenden. Dopamin fördere hingegen die Neigung, dem Impuls zum Konsum des Rauschmittels nachzugeben.

Ob sich diese Erkenntnisse auch auf andere potenziell abhängig machende Substanzen anwenden lassen, wollen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nun in einem nächsten Schritt herausfinden. Dafür soll die Forschung auf Opioide und Ketamin ausgedehnt werden. (wap/dur)

Aktuelle Nachrichten