Demografie
Krebs verliert an Gefährlichkeit – und fordert trotzdem mehr Opfer

Wer eine Krebsdiagnose erhält, hat heute eine viel bessere Überlebenschance als vor 30 Jahren. Weil in der Schweiz immer mehr Alte leben, steigt die Zahl der Krebstoten trotzdem an.

Peter Walthard
Drucken
Teilen
Onkologie: Obwohl das individuelle Sterberisiko gesunken ist, gibt es wegen der demografischen Entwicklung mehr Fälle. (Symbolbild)

Onkologie: Obwohl das individuelle Sterberisiko gesunken ist, gibt es wegen der demografischen Entwicklung mehr Fälle. (Symbolbild)

Keystone

Die Zahl der Krebserkrankungen und der dadurch bedingten Todesfälle hat in der Schweiz von 2013 bis 2017 zugenommen. Dies zeigt der am Donnerstag veröffentlichte dritte Schweizerische Krebsbericht. Die Zunahme der Krebsfälle sei eine Folge der demografischen Entwicklung: In der Schweiz leben immer mehr alte Menschen, und das Risiko, an Krebs zu erkranken, ist im Alter deutlich höher als in jungen Jahren. Für das laufende Jahr werden rund 48'000 neue Krebsdiagnosen erwartet.

Gleichzeitig ist das Risiko, an Krebs zu erkranken, im gleichen Zeitraum nicht gestiegen. Bei den Männern hat es sogar abgenommen. Auch das Risiko, an Krebs zu sterben, ist heute geringer als früher. Von 1988 bis 2017 sind die krebsbedingten Sterberaten gemäss dem Bericht bei Frauen um 28 Prozent und bei Männern um 39 Prozent zurückgegangen.

Bei vielen Krebsarten hätten sich die Überlebenschancen verbessert, heisst es in einer Medienmitteilung des Bundesamts für Statistik, das den Krebsbericht zusammen mit der Nationalen Krebsregistrierungsstelle und dem Kinderkrebsregister erarbeitet hat. Bei Kindern beträgt die Überlebensrate fünf Jahre nach der Diagnose heute über 85 Prozent, bei Frauen 67 Prozent und bei Männern 64 Prozent.

Nachsorge gewinnt an Bedeutung

Dies bedeute aber nicht, dass alle Überlebenden auch gesund seien, sagte Salome von Greyerz, Abteilungsleiterin Gesundheitsstrategien beim BAG, in Bern vor den Medien. Die Nachsorge gewinne deshalb an Bedeutung. Dies hebt auch die Krebsliga Schweiz hervor. «Viele von ihnen kämpfen noch Jahre nach der Erkrankung mit psychischen oder physischen Spätfolgen, leiden an Organschäden und haben ein erhöhtes Risiko für Zweittumore», schreibt diese in einer ersten Reaktion auf den Bericht. Im Schweizer Gesundheitssystem gebe es aber noch kaum koordinierte Nachsorgeangebote für die Zeit nach der medizinischen Erstbehandlung.

Heute sterben jährlich etwa 17'000 Personen an Krebs. Krebserkrankungen bleiben damit eine der häufigsten Todesursachen. Bei Männern ist Krebs für 30 Prozent aller Todesfälle verantwortlich, bei Frauen sind es 23 Prozent. Dabei dominieren einige wenige Krebsarten das Bild. Bei den Frauen ist Brustkrebs mit 18 Prozent aller Diagnosen am häufigsten, bei den Männern Lungenkrebs mit 21 Prozent. Bei den Frauen betreffen 16 Prozent der Diagnosen Lungenkrebs, bei den Männern 14 Prozent Prostatakrebs. Dickdarmkrebs macht bei beiden Geschlechtern zehn Prozent der Diagnosen aus. Statistisch gesehen erkrankt jeder zweite Mann und jede dritte Frau im Laufe des Lebens irgendwann an Krebs.

Aktuelle Nachrichten