Brand von Elektroautos: Forscher warnen vor gewaltiger Russmenge und Stichflammen

Wie gefährlich ist der Brand eines E-Autos? Müssen Tunnelwände und Tiefgaragen anders gebaut werden? Und was müssen Feuerwehrleute beachten? Spektakuläre Versuche der Empa liefern Antworten.

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Ein Batteriemodul eines Elektroautos entwickelt beim Brand grosse Mengen von Russ, in dem sich giftige Metalloxide befinden.

Ein Batteriemodul eines Elektroautos entwickelt beim Brand grosse Mengen von Russ, in dem sich giftige Metalloxide befinden.

Amstein + Walthert/EMPA

(sat/dpa) Was passiert, wenn ein E-Auto in einer Tiefgarage oder einem Tunnel brennt? Die schweizerische Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (Empa) hat einen Feldversuch mit Videos dokumentiert. Sie wollte prüfen, welche besonderen Gefahren lauern und wie gefährlich die freigesetzten Batterie-Substanzen sind. Sprich: Worauf müssen sich zum Beispiel Feuerwehren einstellen? Müssen Tunnel, Tiefgaragen und Parkhäuser mit der steigenden Zahl von E-Autos anders gebaut werden?

Es knallt zuerst, dann entwickelt sich eine gewaltige Russwolke. Und Sekundenbruchteile später steigen meterhohe Stichflammen auf – so sieht es aus, wenn die Batterie eines E-Autos in Brand gerät. Das zeigten die Empa-Experten in einem Versuchsstollen in Hagerbach bei Flums. Sie filmten den Brand aus verschiedenen Blickwinkeln, testeten Faktoren wie Löschwasser, Umgebungsluft und Russablagerungen.

Der Versuch, der vom Bundesamt für Strassen (Astra) finanziert wurde, fand zwar bereits im Dezember 2019 statt. Doch nun liegt die Auswertung vor. «Wir haben bei unserem Experiment vor allem auch an private und öffentliche Betreiber von kleinen und grossen Tiefgaragen oder Parkhäusern gedacht», wird Projektleiter Lars Derek Mellert von der Firma Amstein + Walthert Progress AG in einer Mitteilung der Empa zitiert. «All diese bereits bestehenden unterirdischen Bauten werden immer häufiger auch von Elektroautos benutzt.

Chemisches Löschwasser ist ein Problem

Das Fazit der Forscher: Die mit dem Brand herkömmlicher Autos vertrauten Feuerwehren können mit dem Schaden umgehen und die Tunnel- oder Tiefgaragenwände und -leitungen werden nicht zusätzlich gefährdet. «Eine Tunnellüftung, die auf aktuellem Stand der Technik ist, kommt nicht nur mit brennenden Benzinautos, sondern auch mit Elektroautos zurecht», urteilt die Empa. Das bei Bränden von Elektroautos in deutlich grösserer Menge anfallende Löschwasser dagegen sei ein Problem. «Chemisches Löschwasser darf auf keinen Fall in die Kanalisation geraten», so die Empa-Experten.

Lars Derek Mellert entwickelte mit Unterstützung des Batterieforschers Marcel Held und des Korrosionsspezialisten Martin Tuchschmid von der Empa drei Versuchsszenarien. Beteiligt waren ausserdem Experten der Versuchsstollen Hagerbach AG und des französischen Centre d'études des tunnels. Die Oberflächen wurden nach dem Versuch chemisch analysiert und auch mehrere Monate lang in speziellen Räumen gelagert, schreibt die Empa in ihrer Mitteilung. So wollten die Forscher möglichen Korrosionsschäden auf die Spur kommen.

Neue Tunnellüftungen reichen aus

Laut dem Abschlussbericht von Anfang August kann Projektleiter Mellert einerseits Entwarnung geben: Ein brennendes Elektroauto sei in thermischer Hinsicht nicht gefährlicher als ein brennendes Auto mit konventionellem Antrieb. Unabhängig von der Antriebsform oder dem Energiespeicher müsse es oberstes Ziel sein, dass sich alle Personen möglichst schnell aus der Gefahrenzone begeben, schreibt die Empa. Speziell die stark ätzende, toxische Flusssäure wird oft als besondere Gefahr bei brennenden Batterien diskutiert. «In den drei Versuchen im Tunnel Hagerbach blieben die Konzentrationen jedoch unter dem kritischen Bereich», stellt die Empa fest.

Beruhigendes Fazit der Empa: «Eine Tunnellüftung, die auf aktuellem Stand der Technik ist, kommt nicht nur mit brennenden Benzinautos, sondern auch mit Elektroautos zurecht.» Erhöhte Korrosionsschäden an der Lüftungsanlage oder der Tunneleinrichtung seien aufgrund der Testresultate ebenfalls nicht zu erwarten.