Biodiversität
Dünger aus der Luft gefährdet die Schweizer Schmetterlinge

Stickstoffverbindungen aus Landwirtschaft, Abgas und Industrie sind für Schmetterlinge genauso gefährlich wie der Klimawandel. Das zeigt eine neue Studie der Universität Basel.

André Bissegger
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Stickstoff gefährdet die Artenvielfalt der Schmetterlinge.

Stickstoff gefährdet die Artenvielfalt der Schmetterlinge.

Keystone

Mehr als jede zweite Schmetterlingsart in der Schweiz ist gefährdet oder zumindest potenziell gefährdet. Als Ursache wird meist die intensive Landwirtschaft, Pestizide und der Klimawandel genannt. Forschende der Universität Basel haben sich nun auf einen anderen Faktor konzentriert und untersucht, wie sich Stickstoffverbindungen wie Ammoniak aus Landwirtschaft sowie Abgasen von Industrie und Verkehr auswirkt.

Das Resultat: «Je mehr solcher Gase auf den untersuchten Flächen über die Luft eingetragen wird, desto artenärmer und dichter die Vegetation und desto geringer die Vielfalt von Tagfaltern.» Das schreibt die Universität Basel in einer Mitteilung vom Donnerstag. Die Resultate der Studie wurden im Fachjournal «Conservation Biology» veröffentlicht.

Zu viel der heiklen Stickstoffverbindungen führt zu einer dichteren Vegetation. Gleichzeitig kommen aber weniger unterschiedliche Pflanzenarten vor. Der Grund: Stickstoff regt vor allem das Wachstum von anspruchslosen Gewächsen an, während spezialisiertere Arten verdrängt werden. «Manche Schmetterlingsarten brauchen als Raupe bestimmte Pflanzenarten als Nahrung, oder sind auf ein bestimmtes Mikroklima angewiesen», wird Tobias Roth, Erstautor der Studie, in der Mitteilung zitiert. Die Überdüngung führt gemäss Studie jedoch dazu, dass offene, warme und trockene Orte durch stärkeres Pflanzenwachstum kühler, schattiger und feuchter werden.

Schleppschläuche schaffen Abhilfe

Damit ist klar: Der Stickstoffüberschuss wirkt sich auf die Häufigkeit einer Vielzahl von Schmetterlingsarten in der Schweiz aus – gerade wenn sie offene und trockene Standorte bevorzugen. Den deutlichsten Effekt zeigte sich denn auch bei seltenen und gefährdeten Arten, die wohl genau deswegen vom Aussterben bedroht sind, wie es weiter heisst. Für die Tagfaltervielfalt scheine Stickstoff eine ähnlich grosse Rolle zu spielen wie der Klimawandel.

Eine einfache Lösung sehen die Forschenden nicht. Allerdings gebe es ein gewisses Potenzial bei technischen Verbesserungen. «Früher wurde beispielsweise Gülle über den Ackerflächen versprüht und einiges davon wurde mit dem Wind auf andere Flächen verweht», sagt Roth. Heute werden hingegen vermehrt Schleppschläuche eingesetzt, welche die Gülle direkt auf den Boden aufbringen. Dadurch wird der Stickstoffeintrag über die Luft auf andere Flächen reduziert. Pufferzonen und eine angepasste Landschaftspflege könnten die negativen Auswirkungen ebenfalls abfedern.

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