100'000 zusätzliche Malaria-Todesfälle wegen Covid-19 erwartet

Die Swiss Malaria Group blickt am diesjährigen Welt-Malaria-Tag am Samstag auf grosse Fortschritte und zahlreiche gerettete Leben zurück. Gleichzeitig warnt sie vor zusätzlichen Todesfällen aufgrund der Coronakrise.

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Eine Mutter mit ihrer Tochter in der Demokratischen Republik Kongo. Beide waren an Malaria erkrankt.

Eine Mutter mit ihrer Tochter in der Demokratischen Republik Kongo. Beide waren an Malaria erkrankt.

Anna Surinyach/Swiss Malaria Group

(agl) Die Überlastung der Gesundheitssysteme durch das Coronavirus berge die Gefahr eines massiven Anstiegs der Malaria-Infektionen und Todesfälle, wie die Swiss Malaria Group in einer Medienmitteilung schreibt. Bereits beim Ebola-Ausbruch von 2014 bis 2016 in Westafrika sei die Mortalität bei Malaria-Erkrankungen um 50 Prozent angestiegen.

Jährlich würden gemäss der Weltgesundheitsorganisation WHO über 400'000 Menschen an Malaria sterben, heisst es in der Medienmitteilung. Aufgrund der Corona-Krise könnten nun 105'000 Todesfälle dazukommen, die grösstenteils Kinder betreffen dürften. Die Swiss Malaria Group bezieht sich dabei auf Modellberechnungen des Schweizerischen Tropen- und Public Health Instituts. Diese gehen von 50 Prozent weniger Zugang zu medizinischer Behandlung wegen Schliessungen von Gesundheitszentren und Spitälern aus. Ebenso käme es zu Unterbrüchen in den Lieferketten von Mückennetzen, Schnelldiagnosetests und Medikamenten.

In Simbabwe sei es diese Woche bereits zu einem Malaria-Ausbruch mit 131 Toten und 135'000 Fällen gekommen, schreibt die Swiss Malaria Group. «Eine wichtige Lektion aus dieser aussergewöhnlichen Situation ist, dass bereits vorherrschende Krankheiten nicht plötzlich weg sind, wenn eine neue Seuche ausbricht», lässt sich der Präsident der Gruppe und Malaria-Experte am Tropeninstitut Christian Lengeler zitieren.

Man dürfe die über Jahre hinweg erarbeiteten Fortschritte jetzt nicht verlangsamen, heisst es in der Medienmitteilung weiter. Die Swiss Malaria Group fordert nun den Schutz von schwangeren Frauen und Kindern in Malaria-Betroffenen Gebieten und die Sicherstellung von Behandlungen. Dafür müsse die jährliche Finanzierungslücke von 2 Milliarden US-Dollar geschlossen werden.