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Potz Holzöpfel und Zipfelchappe: Der Kasperli gibt sein Comeback auf Spotify

Das Weihnachtsfest findet mit Kasperli statt. Die Folgen des Schweizer Tunichtgut sind wieder auf Spotify aufgeschalten. Hintergrund ist ein Streit mit dem Techkonzern über die Spieldauer von Kapiteln.

Michael Graber
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Hatten auch einen gemeinsamen Auftritt: Kasperli und Globi.

Hatten auch einen gemeinsamen Auftritt: Kasperli und Globi.

Tra-tra trallala – tra tra trallala - De Kasperli isch wider da, de Kasperli isch do. Tatsächlich: Der Kasperli ist «wider da». Zurück auf dem Streamingdienst Spotify. Pünktlich zu den Weihnachtsferien sind die beliebten Hörspiele mit Jörg Schneider wieder online.

Hintergrund ist ein Streit zwischen dem schwedischen Techgiganten Spotify und mehreren Hörspielverlagen. Dabei geht es um die Länge der einzelnen Kapiteln. Während Spotify eine Mindestlänge von drei Minuten verlangt, erfüllten Kasperli und auch zahlreiche Globi-Folgen diese Vorgaben nicht. Der Streamingdienst entschädigt die Verlage per abgespieltem Kapitel, darum ist es im Interesse von Spotify, dass diese eine gewisse Spieldauer haben. Die Kapitellänge der Kasperlitheater wurde aber lange vor der Gründung von Spotify festgelegt.

Zuerst knickte Globi ein

Mitte September machte Spotify dann seine Drohung wahr und entfernte alle Kasperli -Folgen. Und auch viele Globi-Geschichten waren im Online-Katalog nicht mehr verfügbar. Den beiden Volkslieblingen blieb nichts anderes übrig, als alle Folgen neu zu bearbeiten. Zuerst knickte Globi ein. Bereits Ende September waren erste Folgen des beschnabelten Kinderhelden wieder online. Dabei hat der zuständige Verlag die Kapitel so verändert, dass sie immer exakt drei Minuten lang sind. Zu gross war die Angst, dass die Folgen längerfristig von Spotify verbannt sind – der Techkonzern ist mit Abstand der grösste Player im Markt.

Nun auch noch Kasperli. Aber hier wählten die Verantwortlichen einen anderen Weg: Anstatt die Kapitel mühsam neu zu schneiden, stellte der Verlag die Folgen gleich im Stück rauf, ohne eine Unterteilung in Kapitel. Wie damals bei den Kassetten oder den Platten. Beim Kasperlitheater 16 ist dann auf Seite A «D Häx Nörgeligäx und de Umemuuli» und auf Seite B folgt «De verbrännt Härdöpfelstock». Damit entgeht dem Verlag wohl ein schöner Batzen, aber zahlreiche Kinder (und damit auch deren Eltern) dürften sich freuen, dass der Kasperli wieder sein Unwesen auf dem Streamingdienst treibt.

Auf eine Anfrage von CH Media zum Thema hat Spotify bisher nicht reagiert. Der Konzern hat zwar 2,2 Millionen Nutzerinnen und Nutzer in der Schweiz, aber kein Büro – das ist einer der Punkte, den die heimischen Hörspielverlage kritisieren. Eine Studie ermittelte jüngst, dass in der Schweiz zwei Drittel der User ein kostenpflichtiges Spotify-Abo haben. Damit dürfte der Konzern hierzulande jährlich über 200 Millionen Franken erwirtschaften.