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Neues Album vom The Gardener &The Tree: Eine Stimme wie ein Lagerfeuer

The Gardener & The Tree knüpfen mit «Intervention» an ihre erfolgreichen Songs an. Die Schaffhauser Band profitiert vor allem von der Stimme ihres Sängers.

Michael Graber
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The Gardener & The Tree haben schon respektable Erfolge feiern können.

The Gardener & The Tree haben schon respektable Erfolge feiern können.

Bild Jens Ries

Schon schön. Das ist die kurze Zusammenfassung des Sounds von The Gardener & The Tree. Die Schaffhauser Band hat sich mit ihrem Indie-Folk längst eine solide Fanbasis erspielt und erreicht auf den Streaming-Portalen eine respektable siebenstellige Anzahl an Plays. Nun folgt «Intervention», die neue Platte. Intervention klingt ein bisschen dramatisch. Nach Eingriff, nach Bruch und Neuanfang, nach Alarmismus. Es ist aber nichts von alledem.

Natürlich, die Welt und die Musik müssen nicht neu erfunden werden, aber je länger die Platte läuft, desto stärker beschleicht einem das Gefühl, dies schon anderswo und auch einen Tick besser gehört zu haben. The Gardener & The Tree haben ohne Zweifel viel The National und Mumford & Sons gehört und dabei ihre Inspiration gefunden. Vor der Beliebigkeitsschlaufe rettet Manuel Felder die Band. Der Mann hat eine Stimme wie ein Lagerfeuer. Wärmend und voller Ausdruck. In Gedanken knistern ein paar Holzscheite, und irgendwer brät an langen Stecken Marshmallows.

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Alles an dieser Musik strahlt eine grosse Nähe aus

In diesen Romantik-Groove kuschelt sich dann auch die ganze Musik ein. Sie ist betont handgemacht, auch eine Mundharmonika kommt zum Einsatz, und alles strahlt eine grosse Nähe aus. Das ist, eben, schon schön. Es ist der Soundtrack für die Planung der VW-Busreise durch Skandinavien. Das Abenteuer der studierten Anfangsdreissiger. Im Reiseproviant zwei Flaschen Sehnsucht, zwei Flaschen Wehmut und eine Kühlbox voll Übermut. Ein letzter Ausbruch vor dem Arbeitsstress und der Sesshaftigkeit.

Nur, auf Dauer wird es auch ein bisschen langweilig. Es fehlt der Musik an packenden und überraschenden Momenten. Viele der Songs sind recht durchschaubare Steigerungsläufe. Was reduziert beginnt, ufert immer mehr aus. In die kargen Melodien mischt sich Licht, und am Ende tanzen alle um das Lagerfeuer. Die schwelgerische Grundstimmung erschöpft sich über die Dauer von knapp fünfzig Minuten. Vor lauter entspanntem Folk-Rock geht den fünf Herren von The Gardener & The Tree die Spannung mitunter etwas verloren.

Schon schön, natürlich. Aber halt auch nicht viel mehr.

The Gardener & The Tree: Intervention (Island Records / Universal)

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