Kritik an Stadtregierung
Direktor der Bührle-Stiftung: «Übergriff der Stadt auf die Autonomie des Kunsthauses»

Die Stadt Zürich will ausgeliehene Werke aus der umstrittenen Bührle-Sammlung unabhängig prüfen lassen. Stiftungsdirektor Lukas Gloor äussert Kritik und kündigt gleichzeitig seinen Rücktritt an.

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Lukas Gloor hört per Ende Jahr als Stiftungsdirektor auf.

Lukas Gloor hört per Ende Jahr als Stiftungsdirektor auf.

Keystone

Die aktuelle Kontroverse um die Bührle-Sammlung begann mit einer Medienmitteilung vom vergangenen Sonntag, die von verschiedenen Historikerinnen und Historikern unterzeichnet wurde – darunter auch ehemalige Mitglieder und Mitarbeitende der «Bergier-Kommission». Sie übten Kritik am Umgang mit der Kunstsammlung des Waffenhändlers und forderten unter anderem, dass die Herkunft der Werke unabhängig geprüft und die Provenienzforschung der Bührle-Stiftung evaluiert und weitergeführt werden soll. Die Stadt Zürich kündigte daraufhin an, die Forderungen zu unterstützen.

Der Direktor der Bührle-Stiftung, Lukas Gloor, zeigt sich über das Vorgehen der Stadt alles andere als begeistert. Im Sonntagsblick spricht er von einem «Übergriff der Stadt auf die Autonomie des Kunsthauses». Der Entscheid der Stadt sei zudem gefallen, ohne vorher mit der Stiftung zu reden. Gloor bringt gar die Möglichkeit ins Spiel, die Sammlung aus dem Kunsthaus abzuziehen: «Wenn jetzt die Stadt Zürich dem Kunsthaus diktiert, wie die Sammlung Emil Bührle dem Publikum zu erklären ist, können wir nicht mehr mitmachen», sagt er.

Gloor will Stiftung weiterhin beraten

Gleichzeitig kündigt Gloor im Interview seinen Rücktritt als Stiftungsdirektor per Ende Jahr an. Seine Aufgabe sei abgeschlossen, sagt er, die Bilder seien im Kunsthaus. Er werde der Stiftung aber weiterhin beratend zur Seite stehen. Die genaue Form seines künftigen Engagements sei jedoch noch nicht bestimmt, so Gloor.

Am vergangenen Donnerstag teilte die Bührle Stiftung mit, der Evaluation ihrer Forschungsarbeit positiv gegenüberzustehen. Sie gab sich in einer Mitteilung überzeugt davon, dass sie «die Abklärung zur Herkunft ihrer Werke in umfassendster Weise» durchgeführt habe. Diese seien unter Einbezug anerkannter Spezialisten der Provenienzforschung erfolgt. Die Stiftung betonte weiter, dass sich im Bestand der Sammlung keine «ungeregelten Raubkunstfälle» fänden.

Seit Oktober wird die Kunstsammlung des Waffenfabrikanten Emil Georg Bührle im neuen Erweiterungsbau des Zürcher Kunsthauses gezeigt. Die Sammlung ist auch wegen des Verdachts auf Raubkunst umstritten. (agl)

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