Absage
Es sieht düster aus für die Schweizer Open Airs: Das Gurtenfestival und das Open Air St. Gallen sind abgesagt

Der Festivalsommer steht schwer auf der Kippe. Nach dem Greenfield ziehen nun auch das Gurtenfestival und das Open Ait St. Gallen die Notbremse.

Michael Graber
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Ein Bild aus volleren Zeiten: Das Gurtenfestival 2019. Die Ausgaben 2020 und 2021 wurden wegen der Coronapandemie abgesagt.

Ein Bild aus volleren Zeiten: Das Gurtenfestival 2019. Die Ausgaben 2020 und 2021 wurden wegen der Coronapandemie abgesagt.

Keystone

Auch 2021 wird es kein Gurtenfestival geben. Das Open Air auf dem Berner Haushügel ist abgesagt. Diese traurige Nachricht haben die Festivalmacher am Montag überbracht. «Zu unsicher ist die Lage, zu kurz der Vorlauf, zu aufwändig, zu kostenintensiv die möglichen Schutzmassnahmen, Kapazitätsreduktionen und Auflagen», heisst es in der Mitteilung. Die Zeit laufe schlicht davon. Das Festival hätte vom 14. bis 17. Juli stattfinden sollen. Es ist eines der grössten Open Airs der Schweiz. Pro Tag kommen rund 20'000 Personen auf den Gurten.

Zeitgleich mit dem Gurten vermeldet auch das Open Air St. Gallen seine Absage. Es hätte vom 1. bis 4. Juli stattfinden sollen. Die Gründe für die Notbremse lesen sich identisch wie beim Gurten. «In seiner ursprünglichen Form ist das Open Air St. Gallen aktuell schlicht nicht durchzuführen», heisst es in der Medienmitteilung. Es fehle die Planungssicherheit. Das Open Air ist auf den Sommer 2022 verschoben und soll – sofern Corona dann wieder weg ist – vom 30. Juni bis 3. Juli 2022 stattfinden.

Anders als vor einem Jahr werden die Festivals nicht wegen eines Verbots abgesagt – nach derzeitiger Lage herrscht vor allem Unklarheit bezüglich der Durchführbarkeit von Grossanlässen im Sommer. «Eine Ansage seitens Behörden über mögliche Rahmenbedingungen, Auflagen und Kapazitätsobergrenzen für Grossveranstaltungen im Sommer sind auch nicht in Sicht», klagt das Gurtenfestival in der Mitteilung. Ein Gurtenfestival brauche gewissen Vorlauf und die Unsicherheiten seien derzeit zu gross, um mit der Planung zu beginnen. Zumal es fraglich sei, ob bis im Juli wirklich alle geimpft sind, die auch geimpft sein wollen.

Der Schutzschirm schützt so nicht

Auch eine Verkleinerung des Festivals kam für die Macher nicht in Frage: «Unser Anlass lebt von der Masse, vom sich frei Bewegen, von emotionalen, dicht an dicht gedrängten Momenten vor der Bühne. Ein Gurtenfestival mit Sitzplätzen, reduzierter Kapazität, keinen Dancetents, das ist schlicht und einfach kein Gurtenfestival.» Eine solche Redimensionierung hat das Paléo Festival in Nyon kürzlich verkündet. Statt einem grossen Open Air sollen dort zahlreiche kleinere Veranstaltungen stattfinden.

Die Notbremse gezogen haben dagegen unter anderem das Greenfield Festival in Interlaken und das Rock the Ring in Hinwil. Zwar hat das Parlament letzte Woche einen «Schutzschirm für Corona-bedingte Absagen» ins Covid-19-Gesetz geschrieben, welches Entschädigungen für betroffene Veranstalter vorsieht. Nur: Dieser Passus greife nur, wenn eine Veranstaltung eine Bewilligung hat. «Solche Bewilligungen werden zudem schon im Normalbetrieb erst relativ kurzfristig ausgestellt», schreibt dazu das Gurtenfestival. Oder weniger umständlich funktioniert: Der Schutzschirm schützt so gar nicht. Es ist also sehr wahrscheinlich, dass die Absagen des Gurtenfestivals und des Open Air St. Gallen nicht die einzige harte Nachricht für Festivalfreunde in den nächsten Tagen wird.

Getestet statt gefestet

Eindringlich ist dann auch der Appell des Gurtenfestivals an die Behörden: «Schafft Klarheit und bietet der Kulturbranche und der Bevölkerung eine Perspektive.» Die Politik solle hier bald die Richtwerte abstecken und so Planungssicherheit schaffen. «Ermöglicht einen Veranstaltungssommer und -herbst – innerhalb realistischer, vernünftiger und planbarer Kapazitätsgrenzen und Schutzmassnahmen», heisst es in der Mitteilung.

Untätig Däumchen gedreht haben die Gurtenmacher übrigens nicht. Sie haben das Coronatestzentrum in Belp für den Kanton Bern betrieben. Dieses wird wegen sinkender Nachfrage Ende März geschlossen. Da gibt es keine Arbeit mehr und die eigentliche Arbeit können die Verantwortlichen auch nicht machen. Es gab schon bessere Sommer für das Gurtenfestival.