Weltweit 3000 Coronatote im Gesundheitswesen – Amnesty fordert auch in der Schweiz eine Untersuchung

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International fordert eine weltweite Aufarbeitung der Arbeitsbedingungen im Gesundheitswesen während der Coronakrise. Auch der Bundesrat soll Rechenschaft ableben.

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Amnesty International fordert bessere Bedingungen für Angestellte im Gesundheitswesen. (Symbolbild)

Amnesty International fordert bessere Bedingungen für Angestellte im Gesundheitswesen. (Symbolbild)

Urs Bucher

(agl) Amnesty fordert den Bundesrat auf, eine unabhängige Analyse in Auftrag zu geben, welche die Auswirkungen der Coronakrise und der Massnahmen des Bundes auf das Gesundheitspersonal untersucht. Auch soll der Bundesrat darlegen, wie hoch die Infektionsraten beim Gesundheitspersonal sind. Es gebe für die Schweiz kaum Daten dazu, welche Auswirkungen das Virus auf Personen in exponierten Berufen hat.

Zudem fordert Amnesty die internationale Staatengemeinschaft dazu auf, Covid-19 als Berufskrankheit anzuerkennen. Die Behörden müssten sicherstellen, dass Beschäftigte aus dem Gesundheitswesen und anderen systemrelevanten Berufsgruppen bei einer Infektion entschädigt und unterstützt werden. Seit dessen Ausbruch belastet das Coronavirus das Gesundheitswesen und dessen Mitarbeitende besonders stark. Über 3000 Personen, die im Gesundheitswesen beschäftigt waren, sind am Coronavirus gestorben.

Dies zeigt eine Analyse von Amnesty International, die die Menschenrechtsorganisation am Montag veröffentlichte. Die höchsten Todeszahlen verzeichnen gemäss dem Bericht die USA, Russland, Grossbritannien und Brasilien. Nicht überall würden die Zahlen jedoch mit der gleichen Methode erfasst. Wie Amnesty in einer Mitteilung schreibt, liege die Zahl der tatsächlichen Corona-Opfer im Gesundheitswesen wahrscheinlich noch einiges höher als angegeben, wegen nicht gemeldeten Fällen.

«Die Covid-19-Pandemie erfordert globale Zusammenarbeit»

Dazu komme in vielen Ländern ein Mangel von Schutzmaterial im Gesundheitswesen. Dieser werde verstärkt durch Exportbeschränkungen vieler Staaten und Handelsgemeinschaften wie der EU. Gemäss Amnesty insbesondere für importabhängige Länder ein Problem: «Die Covid-19-Pandemie ist ein globales Problem, das globale Zusammenarbeit erfordert», so Sanhita Ambast, Amnesty-Expertin für wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte.

Weiter berichtet Amnesty von Repressalien und Entlassungen in 31 Ländern, wenn Beschäftigte aus dem Gesundheitsbereich streikten oder wegen der unsicheren Arbeitsbedingungen protestierten. Dabei könnten Gesundheitsmitarbeitende ihren Regierungen bei der Abstimmung der Pandemiemassnahmen helfen. «Dazu müssen sie aber frei und nicht im Gefängnis sein, und sie dürfen keine Angst haben, ihre Meinung zu äussern», so Ambast.