Investoren im Schweizer Fussball: Von Schaumschlägern und Betrügern

Die Liste von Investoren, die im Schweizer Fussball für Skandale und Konkurse sorgten, ist lang.

Markus Brütsch
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Bulat Tschagajew: In Handschellen abgeführt.

Bulat Tschagajew: In Handschellen abgeführt.

Investoren  Kamerun, Polen, Frankreich, die Ukraine, Iran, Russland und die Türkei - aus aller Herren Länder sind sie gekommen. Die vermeintlichen Retter der auf dem Sterbebett liegenden Vereine. Man könnte ein dickes Buch schreiben über die ausländischen Investoren im Schweizer Fussball. Voller unglaublicher Geschichten mit Menschen, die als Heilsbringer kamen und später fluchtartig das Land verlassen mussten oder in Handschellen abgeführt wurden. Es gab Hochstapler und Wichtigtuer, Scharlatane und Betrüger, Schaumschläger und Profilneurotiker. Nur: Transparent war keiner.

Es würde den Platz sprengen, all die Geschichten von Gilbert Kadji (Kameruner, FC Sion, 2002 Lizenzentzug) über Waldemar Kita (Polnisch-Franzose, Lausanne-Sports, 2003 Konkurs), Igor Belanow (Ukrainer, FC Wil, Cupsieger(!), 2004 Nachlassstundung), Marc Roger (Franzose, Servette, 2005 Konkurs), Majid Pishyar (Iraner, Servette, 2012 am Rand des Konkurs) und Bulat Tschagajew (Russe, Xamax, 2012 Konkurs) bis zu Mehmet Günal (Türke, Wil, 2017 am Rand des Konkurs) aufzurollen. Unter dem Strich war keiner ein Segen.

Gilbert Kadji, FC Sion

Einer der ersten Investoren war Gilbert Kadji aus Kamerun gewesen. Christian Constantin, der heutige Präsident des FC Sion, hatte in seiner ersten Amtszeit den Verein mit einem Schuldenberg von 15 Millionen Franken an die Wand gefahren. Eine Hypothek, zu schwer für Kadji, als er 1999 im Wallis Präsident wurde. Der Bierbrauer hatte gehofft, er könne Spieler aus seiner Akademie in Afrika im Tourbillon platzieren. Kadji liefen die Finanzen aus dem Ruder, und Sion wurde 2002 in die NLB zwangsrelegiert.

Marc Roger, FC Servette

Im Februar 2004 kam der damals 40-jährige Spielervermittler Marc Roger nach Genf, um den mit 4,2 Millionen Franken verschuldeten FC Servette zu retten. Sein Engagement endete ein Jahr später im Fiasko. Der Traditionsverein ging in Konkurs und musste in der 1. Liga einen Neuanfang machen. Der Franzose hatte es geschafft, die Verschuldung auf 11 Millionen Franken hochzutreiben.

Bul. Tschagajew, Xamax

2011 übernahm Bulat Tschagajew von Sylvio Bernasconi Xamax. Der Tschetschene wütete, holte spanisches Personal und veränderte das Logo. Am 26. Januar 2012 ging Xamax in Konkurs. Der Rohstoff- und Immobilienhändler hatte Schulden in der Höhe von 20 Millionen Franken aufgetürmt. Tschagajew landete im Gefängnis und wurde 2013 ausgewiesen.

Mehmet Günal, FC Wil

2015 kam der türkische Bauunternehmer Mehmet Günal nach Wil. Er zahlte unglaubliche Löhne und reiste mit dem Privatflugzeug zu den Spielen in der Challenge League. 2017 aber drehte Günal den Geldhahn plötzlich zu, verschwand und war nicht mehr erreichbar. Der FC Wil stand am Abgrund.

Erfolgsgeschichten ausländischer Investoren, wie sie aktuell der FC Lausanne-Sport und Ineos aus England schreiben, gibt es zwar auch, sind aber die Ausnahme. Nicht vergessen gehen sollte jedoch, dass auch manche Einheimische katastrophal gewirtschaftet haben. Wie Hubert Stöckli (FC Wettingen, 1993), Constantin (FC Sion, 1997), Helios Jermini (FC Lugano, 2002), Andreas Hafen (FC Wil, 2002) und Carlo Häfeli (FC Biel, 2016).

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