Von «endlich» bis «entlarvend»: So kommentieren die Zeitungen die Lockerungen

Die Lockerungs-Strategie des Bundesrats erhält in den Kommentaren der grossen Zeitungen viel Lob. Die NZZ warnt aber bereits vor «der Planwirtschaft 2.0».

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Simonetta Sommaruga (Mitte), diskutiert mit Bundesrat Alain Berset und Karin Keller-Sutter nach der Medienkonferenz zu den weiteren Lockerungsschritten.

Simonetta Sommaruga (Mitte), diskutiert mit Bundesrat Alain Berset und Karin Keller-Sutter nach der Medienkonferenz zu den weiteren Lockerungsschritten.

Keystone

(mg) Es sei ein «Tag des Optimismus», kommentieren die Zeitungen von CH-Media. Die zentrale Frage sei nun «nicht mehr, was erlaubt ist. Sondern was noch verboten ist.» Noch seien die Restriktionen zwar immer noch einschneidend und es stelle sich für viele Betriebe die Frage «der Wirtschaftlichkeit». Doch: «im Moment gilt: Vorwärtsschauen, die Zukunft neu gestalten. Froh sein, über ein bisschen Alltag.»

Die neue Phase bedeute «keine Rückkehr in die alte Normalität», kommentiert der «Tages-Anzeiger». Das Experimentieren gehe weiter. Die Landesregierung wechsele «jetzt von Alarmstufe Rot auf Orange». Es sei jetzt an der Zeit an, «die exekutive Selbstermächtigung und Vollmacht des Bundesrates zu beenden».

Kritik an der «neuen Normalität»

«Endlich, endlich, endlich!», jubelt der «Blick». Und schiebt gleich nach: «Ganz so normal wie früher wird diese Normalität allerdings nicht sein.» Abstand, Desinfektionsmittel und Schutzmasken: «Wir werden uns daran gewöhnen.» Die wirtschaftlichen Folgen würden uns noch lange beschäftigten. Jetzt gelte es alles daran zu setzen, «dass wir diese Krise genauso meistern wie die Pandemie.»

Deutlich skeptischer ist der Zukunftsblick der «NZZ». Sie kritisiert den Begriff der «neuen Normalität», den der Bundesrat am Mittwoch mehrmals verwendet hat. Wer diesen Begriff brauche, «verkennt entweder die todernste Lage für die Wirtschaft oder, dazu später, kündigt aus ideologischer Warte neue Zeiten an.» Von neuer Normalität könne nur sprechen, wer sowieso schon «Zentralisierung» und «staatliche Massnahmen und Interventionen» unterstütze. Der Kommentator fügt dann auch drastisch an: «Willkommen in der Planwirtschaft 2.0.» Die medizinische Krise sei vorbei, aber die «Krise der Freiheit und der freien Marktwirtschaft steht vor der Tür».

Ebenfalls etwas skeptisch zeigt sich die «Basler Zeitung». Der Entscheid des Bundesrates sei «mutlos». Ein «grösserer Schritt zurück in die Normalität» wäre durchaus möglich gewesen. Die Zahl 300, so viele Personen dürfen sich künftig maximal an einer Veranstaltung befinden, «wirkt ein wenig zufällig». Die Lockerungen seien «ein Geschenk, das nicht richtig glücklich macht.»