Verbreitung des Virus nur verlangsamt: Bundesexperten geben keine Entwarnung

Nach den neuen Massnahmen des Bundesrates gibt es erste Anzeichen, dass sich die Verbreitung des Coronavirus verlangsamt. Doch das reicht noch nicht, sagen Fachexperten des Bundes.

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Laut Fachexperten reichen die aktuellen Massnahmen nicht aus, um die Fallzahlen genügend zu senken.

Laut Fachexperten reichen die aktuellen Massnahmen nicht aus, um die Fallzahlen genügend zu senken.

Keystone

(agl) Der Druck auf das Gesundheitssystem sei weiterhin hoch, führte Stefan Kuster, Leiter Übertragbare Krankheiten beim Bundesamt für Gesundheit BAG, am Dienstag an einer Medienkonferenz aus. Trotz einer Tendenz zur Verlangsamung des Fallzahlen-Anstiegs sei es noch zu früh, um von einer Trendwende zu sprechen. «Wir sind vorsichtig optimistisch», sagte Kuster weiter. «Doch die Fallzahlen müssen weiter gesenkt werden».

Noch deutlicher wurde Samia Hurst, Medizinerin und Vizepräsidentin der Corona-Taskforce des Bundes. Kein Indikator der Epidemie deute aktuell darauf hin, dass die Entwicklung rückläufig sei. «Die Massnahmen reichen nicht, um die Fallzahlen zu senken», so Hurst weiter. Die Lage sei schwierig und es brauche nun weitere Anstrengungen. Die Fallzahlen müssten ein Niveau erreichen, wo das Contact-Tracing wieder funktioniere und alltägliche Aktivitäten nicht mehr gefährlich seien.

Zu Pfizer-Impfstoff fehlen noch wichtige Daten

Weiter äusserte sich Hurst zur Impfstoff-Ankündigung des US-Unternehmens Pfizer. Dies sei eine gute Nachricht, doch dabei sei Vorsicht geboten, so die Taskforce-Vizepräsidentin. Die Daten der dritten Testphase seien noch nicht veröffentlicht worden. Diese seien nötig, um Schlussfolgerungen zum Impfstoff zu ziehen. Weiter relativierte sie: «Bis Herbst 2021 werden Impfungen keine Auswirkungen auf die Massnahmen haben, die wir treffen müssen.»

Dass wir über weitere Massnahmen sprechen müssen, findet auch der Basler Kantonsarzt Thomas Steffen. «Wir müssen leider davon ausgehen, dass unsere Bemühungen nicht reichen, um die Fallzahlen so runter zu bringen, dass wir im Winter stabil bleiben.» Genauso wichtig sei es aber, die bereits bekannten Massnahmen besser umzusetzen. So sei beispielsweise die Kombination von Maske und Abstand immer besser, als die Maske als Ersatz für Abstand einzusetzen.

Gleichstellungsbüro warnt vor Benachteiligung behinderter Personen

Nicht für alle ist das Tragen einer Maske aber gleichermassen einfach. An der Medienkonferenz des Bundes informierte auch Urs Germann vom eidgenössischen Büro für die Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen. Für diese sei es aus verschiedenen Gründen oft nicht möglich, eine Maske zu tragen.

Betroffene hätten in den letzten Wochen vermehrt darüber geklagt, dass sie aus Restaurants oder Geschäften ausgewiesen wurden. Dies, obwohl sie ein ärztliches Attest vorweisen konnten. Ein solches Attest müsse aber akzeptiert werden, so Germann. «Wir appellieren an alle, Menschen mit Behinderung vor Benachteiligungen zu schützen.»