Trotz steigender Fallzahlen sterben in der Schweiz nur noch wenige Menschen an Covid-19

Am Freitag vermeldete das BAG erstmals seit Mitte April wieder mehr als 400 Neuinfektionen. Das sei jedoch nicht die befürchtete zweite Welle, so das Bundesamt für Gesundheit. Denn: In den Spitälern bleibt die Lage stabil.

Peter Walthard
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Ende Februar wurde der Kanton Tessin von der Pandemie schwer getroffen. Mittlerweile gehört das Tessin zu den Regionen mit wenigen Fällen.

Ende Februar wurde der Kanton Tessin von der Pandemie schwer getroffen. Mittlerweile gehört das Tessin zu den Regionen mit wenigen Fällen.

Keystone

405 Neuinfektionen meldete das Bundesamt für Gesundheit am Freitag. Damit setzt sich der Trend fort: Seit dem Auslaufen der strikten Einschränkungen zur Bekämpfung der Pandemie steigen die Fallzahlen an. Von einer zweiten Welle könne aber keine Rede sein, sagte Stefan Kuster, Leiter übertragbare Krankheiten beim Bundesamt für Gesundheit, am Freitag an einer Pressekonferenz in Bern. Denn obwohl immer mehr positive Tests gezählt werden, gebe es bei den schweren Verläufen und bei den Todesfällen seit Wochen keinen nennenswerten Anstieg.

Seit Anfang Juli würden pro Woche 30 bis 50 Personen mit dem Coronavirus ins Spital eingeliefert, dabei habe es in den letzten Wochen keinen Anstieg gegeben, erklärte Kuster. Ähnlich sieht es bei den Todesfällen aus. Hier verzeichne man seit mehr als zehn Wochen keinen Anstieg mehr. Das dürfte mit der veränderten Demographie zu tun haben: Im Sommer haben sich mehr Junge und weniger Risikopatienten infiziert. Es zeige sich aber auch, dass das Contact Tracing der Kantone funktioniere, so Kuster. «Die Anstrengungen tragen Früchte.»

Ein Hinweis darauf sei die Reproduktionszahl, die angibt, wie viele Menschen ein Infizierter im Schnitt ansteckt. Liegt sie deutlich über eins, verläuft die Ansteckungskurve exponentiell und die Fallzahlen verdoppeln sich in kurzer Zeit: Die Epidemie gerät ausser Kontrolle. Soweit sei es nicht gekommen, so Kuster. Die Reproduktionszahl liege nahe bei eins, und es brauche nicht mehr viel, um sie konstant unter eins zu halten. Dann würde die Zahl der Neuansteckungen wieder sinken.

Höhere Fallzahlen gibt es aber auch, weil immer mehr Menschen auf das Coronavirus getestet werden. Zu Beginn der Epidemie wurde nur bei Risikogruppen und schweren Fällen getestet, nun sollen alle, die Erkältungssymptome haben, zum Test. Tatsächlich zeige das Grippe-Frühwarnsystem Sentinella ebenfalls einen Anstieg: In den letzten Wochen haben mehr Menschen Symptome einer Atemwegserkrankung gemeldet. Kuster schliesst daraus, dass sich die Testmoral in der Bevölkerung verbessert habe: «Wer Symptome hat, lässt sich testen, das ist gut so.» Die Positivitätsrate, das heisst der Anteil der positiven Resultate an allen durchgeführten Tests, sei denn auch am sinken.

Völlig verändert hat sich laut Kuster die Geografie der Pandemie. Im früher am stärksten betroffenen Kanton, dem Tessin, gebe es deutlich weniger Fälle. In den derzeitigen Epizentren Genf und Zürich seien die Zahlen hoch, aber stabil. Am Steigen sind die Zahlen derzeit nur noch im westlichen Mittelland: In den Kantonen Aargau, Bern und Waadt und teilweise im Kanton Freiburg. Diese Verteilung spiegle die unterschiedlichen Massnahmen der jeweiligen Kantonsbehörden wieder, so Kuster. Insgesamt machten diese überall eine gute Arbeit.

Corona-Test: Bei Kindern nützlich, aber nicht immer machbar

An der Pressekonferenz in Bern erklärte die Leiterin Sektion Infektionskontrolle des BAG, Virginie Masserey, die Teststrategie bei Kindern: Grundsätzlich sollten auch diese bei Symptomen getestet werden, hielt sie fest. Dies sei bei Kindern aber nicht immer einfach, und die Tests seien deshalb auch weniger verlässlich als bei Erwachsenen. Es sei deshalb vertretbar, Kinder mit Symptomen im Einzelfall nicht zu testen. Dann müssten sie aber bis 48 Stunden nach Abklingen der Symptome zu Hause isoliert werden. Zudem müssten Erwachsene im direkten Umfeld, die Symptome aufwiesen, getestet werden. Bei Symptomen in Schulklassen müssten immer Tests angeordnet werden.