Taskforce-Epidemiologe Tanner: «Ich würde nicht auf eine Impfpflicht bauen»

Marcel Tanner, Epidemiologe und Mitglied der Covid-19-Taskforce des Bundes, warnt davor, die Diskussion zu sehr auf eine Impfpflicht zu fokussieren. Ein Impfstoff der ersten Generation dürfte zudem kaum idealen Schutz bieten.

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Interview mit Epidemologe Marcel Tanner.

Interview mit Epidemologe Marcel Tanner.

Juri Junkov / bz Zeitung für die Region

(agl) Bei der Frage des Impfens sei es wichtig, die medizinischen Fakten auf den Tisch zu legen, auch wenn das Risiken bringe, sagte Tanner am Samstag im Interview mit den «Tamedia-Zeitungen». «Ich würde nicht auf eine Impfpflicht bauen. Ich glaube, dass es uns gelingt, die Leute mitzunehmen und zu überzeugen.»

Es werde Leute geben, die sich nicht impfen lassen wollen, so Tanner weiter. Vor ihren Gründen müsse man Respekt haben. Eine Herdenimmunität sei aber bereits möglich, wenn sich 80 Prozent der Menschen impfen liessen. Es lohne sich deshalb nicht, um einen «Nebenschauplatz» wie den Impfzwang zu streiten, so der Epidemiologe.

Distanz- und Hygieneregeln gelten auch bei Impfstoff noch

«Wenn alles sehr gut läuft – also keine Nebenwirkungen! – dann können wir in einem Jahr einen Impfstoff haben». Dieser sei dann aber noch nicht produziert und verteilt, ausserdem seien Milliarden Dosen nötig, so Tanner. Für die Schweiz sei es wichtig, bei der Beschaffung des Impfstoffes mehrgleisig zu fahren. Mit mit Vorverkaufsrechten wie bei Moderna, als auch mit der «Global Vaccine Alliance».

Zudem müsse man beachten, ein «Erst-Generation-Impfstoff» wohl noch kaum einen idealen Schutz bringen werde. Ein Teilschutz sei zwar nicht befriedigend, aber immer noch ein grosser Schritt, so Tanner. Handhygiene und Distanz müssten in dem Fall auch bei einem Impfstoff weiter aufrechterhalten werden.