SRG-Chef Gilles Marchand: «Es wird weniger klassische TV-Shows geben»

Wegen der Coronakrise und rückläufigen Werbeeinnahmen kündigte die SRG diese Woche ein weiteres Sparprogramm von 50 Millionen Franken an. Für SRG-Generaldirektor Gilles Marchand eine anspruchsvolle Aufgabe.

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SRG-Generaldirektor Gilles Marchand will über alle Bereiche hinweg 50 Millionen Franken einsparen.

SRG-Generaldirektor Gilles Marchand will über alle Bereiche hinweg 50 Millionen Franken einsparen.

Bild: Keystone

(agl) «Das sind zehn Prozent des Budgets - und gleichzeitig bleibt der Leistungsauftrag gleich», so Marchand im Interview mit dem «Blick». Wie viele Entlassungen es genau geben wird, sei noch unklar. Die SRG rechnet aktuell mit eine Abbau von rund 250 Vollzeitstellen bis 2024, wie sie diese Woche bekannt gab. Man wolle aber versuchen, dies über Umschulungen sowie Frühpensionierungen abzufedern, so Marchand.

Was das neue Sparprogramm angeht, wolle die SRG alle Bereiche anschauen. Beim Sport zum Beispiel könnten Kommentatoren auch aus dem Studio moderieren, besonders während Coronazeiten. Auch die Verwaltungskosten müssten tief bleiben, so der Generaldirektor. Auch über die Sprachregionen hinweg soll gleichmässig gespart werden. Das italienischsprachige «Telegiornale» müsse die gleiche Qualität haben wie die «Tagesschau» oder das welsche «19h30». «Wenn wir uns das nicht mehr leisten können, haben wir ein Legitimationsproblem», sagt Marchand zum «Blick».

Für die Zuschauer werde es künftig weniger klassische TV-Shows wie die grossen Samstagabend-Produktionen geben. Diese spielten künftig eine weniger grosse Rolle, es braucht laut Marchand aber eine neue Balance zwischen Information, Unterhaltung und Sport. Die SRG kämpfe zudem hart, um gute Sportrechte zu behalten. Dort gebe es eine finanzielle Grenze, so der SRG-Direktor weiter. Mit den grossen Telekomunternehmen können die SRG nicht mithalten. «Aber wir bieten Reichweite. Deshalb könnte es gefährlich werden für eine grosse Sportorganisation, wenn sie nicht mit dem Service public zusammenarbeitet, weil sie auch auf Sponsoren angewiesen ist, die Reichweite brauchen.»