Sex-Unternehmerin Salomé Balthus sammelt Geld für Prozess gegen die «Weltwoche»

Ein Weltwoche-Autor soll sie gegen Bezahlung besucht und ohne ihre Einwilligung über sie geschrieben haben: Nun wehrt sich Salomé Balthus.

Peter Walthard
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Weltwoche-Chefredaktor Roger Köppel hat alle Vorwürfe zurückgewiesen.

Weltwoche-Chefredaktor Roger Köppel hat alle Vorwürfe zurückgewiesen.

Foto: Keystone

Die deutsche Unternehmerin und Autorin Salomé Balthus sammelt auf der Crowdfunding-Plattform leetchi.com Geld für einen Prozess gegen die Weltwoche. Ihr Vorwurf: Ein Weltwoche-Journalist soll ein Dinner mit ihr als Escort-Dame gebucht haben – nachdem sie ein Interview abgelehnt hatte. Balthus betreibt in Berlin eine Agentur für sexuelle Dienstleistungen.

Sie habe mit dem Journalisten vereinbart, dass der Termin nicht medial verwertet werde, schreibt Balthus in ihrem Spendenaufruf. Dennoch erschien in der «Weltwoche» ein Porträt über sie. Weltwoche-Chefredaktor Roger Köppel hat Balthus Darstellung bereits öffentlich widersprochen. Der Journalist habe sich klar als solcher zu erkennen gegeben: «Er machte deutlich, dass er in journalistischer Mission unterwegs sei und das hochstehende Gespräch journalistisch verwenden werde», erklärte er im Dezember in einer Stellungnahme gegenüber watson.ch.

Balthus erwartet rund 15'000 Franken Prozesskosten

Soweit steht Aussage gegen Aussage. Klarheit soll nun ein Gerichtsverfahren schaffen. Doch für einen teuren Prozess in der Schweiz fehlt der Berlinerin das Geld. Rund 15'000 Franken Prozesskosten sieht sie auf sich zukommen, falls es nicht vorher zu einem Vergleich mit der Schweizer Wochenzeitschrift kommt. Ihr Fall stehe exemplarisch für den Stellenwert von Sex-Arbeiterinnen in der Gesellschaft, argumentiert Balthus im Spendenaufruf: Finanzkräftige Männer hätten das Gefühl, dass sie sich mit der Bezahlung einer Dienstleistung jedes Recht gegenüber einer Frau herausnehmen könnten.

Sollte Balthus den Prozess gewinnen, will sie das gesammelte Geld weitergeben: In Form einer Spende an den Verein «Ban Ying e.V.», der sich für Opfer von Menschenhandel einsetzt . Die Sammelaktion stösst auf grosses Echo: Innerhalb von zwei Stunden kamen bereits über 1000 Euro zusammen, die Sammelaktion läuft noch rund 40 Tage weiter.