Die Räumung von dem ehemaligen Munitionslager Mitholz wird teuer

Das Munitionslager im Kandertal bereitet noch Jahrzehnte nach der Katastrophe grosse Probleme. Die Anwohner müssen für mehrere Jahre umziehen.

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Die Bewohner von Mitholz müssen 2031 wohl umziehen.

Die Bewohner von Mitholz müssen 2031 wohl umziehen.

Keystone

(mg) Die Räumung das ehemaligen Munitionslagers Mitholz im bernischen Kandertal wird teuer: Gestern Dienstagabend informierte das Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) die Bevölkerung. Die Rede ist von Kosten in der Höhe von mindestens einer Milliarde Franken. Darin enthalten sind laut einer Mitteilung neben der Räumung aber auch die ­weiteren Schutzmassnahmen. Dabei geht es hauptsächlich um die Sicherung der Verkehrsverbindungen von Bern ins Wallis.

Neue Strassenführung soll realisiert werden

Während der eigentlichen Räumungsarbeiten, die laut VBS 2031 beginnen sollen, müssen die Bewohner und Bewohnerinnen von Mitholz je nach Verlauf für mehr als zehn Jahre wegziehen. Der Bund werde die betroffene Bevölkerung «insbesondere bei der Vorbereitung des Wegzugs begleiten», verspricht das VBS in der Mitteilung.

Bis zur Räumung seien umfangreiche Vorbereitungen notwendig. Bevor mit den Arbeiten begonnen werden könne, müssen das Projekt geplant, technische Untersuchungen gemacht und Schutzmassnahmen realisiert werden. Die Strassenverbindung zwischen Kandergrund und Kandersteg soll mit baulichen Massnahmen oder einer neuen Strassenführung ge­währleistet werden. Auch für die Bahnlinie der BLS seien Schutzbauten notwendig. Ebenso müssten Felsen gesichert werden, um die Steinschlag­gefahr in den betroffenen Ge­bieten einzudämmen. Ein besonderes Risiko stelle dabei die Felsformation Dreispitz dar. Diese sei «geolo­gisch instabil» und müsse ­daher schichtweise abgetragen werden. Alleine das Abtragen des Dreispitz nimmt sieben bis acht Jahre in Anspruch.

Auch eine Überdeckung ist eine Option

Im Munitionslager Mitholz war es im Dezember 1947 zu einer grossen Explosionskatastrophe gekommen. Dabei flogen gewaltige Mengen an Armeemunition aus nicht genau geklärten Gründen in die Luft. Bei der Katastrophe kamen neun Menschen ums Leben, viele weitere wurden ­obdachlos und grosse Teile der Anlage stürzten ein; dabei wurden mehrere Tonnen Munition eingeschlossen. Bis heute. Bei einer Neubeurteilung im Jahr 2018 kamen die Experten des Bundes zum Schluss, dass eine Räumung des Munitionslagers nötig sei – die Wahrscheinlichkeit und das mögliche Ausmass einer Explosion seien deutlich höher als bisher angenommen. Jetzt soll mittels Bohrungen und Tagbau abgeklärt werden, was für Munition überhaupt auf welche Art noch dort liegt. Mit den daraus gewonnenen Erkenntnissen soll die Räumung dann geplant und vorange­trieben werden. «Eine Räumung ist das angestrebte Ziel», sagte VBS-Chefin Viola Amherd laut Redetext bei der Informationsveranstaltung.

Noch ist nicht sicher, ob alles geräumt werden kann

Was sie damit auch sagt: Es ist noch nicht sicher, ob man wirklich alles räumen kann. «Es kann aus heutiger Sicht nicht ausgeschlossen werden, dass sich das Risiko während der Räumung für Arbeitende als zu gross erweist», schreibt das VBS in seiner Mitteilung. Dann müsse die Räumung abgebrochen und die Option «Überdeckung» realisiert werden. Diese sieht vor, die gesamte Anlage mit «50 Meter zusätzlichem Locker­gestein» zu überschütten. Nicht geräumte Munitionsrückstände blieben dann darunter.