Protestcamp
Nach Sturz von Baum: Besetzer von Mormont-Hügel geben auf

Die beiden verbleibenden Umweltaktivisten auf dem Hügel Mormont in der Waadt haben ihren Widerstand aufgegeben – wenn auch nicht ganz freiwillig. Ein Aktivist fiel mehrere Meter vom Baum.

Reto Wattenhofer
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Hängematte in luftiger Höhe: Ein Aktivist stürzte am Samstag in die Tiefe. Sein Sicherheitsseil bewahrte ihn vor schweren Verletzungen.

Hängematte in luftiger Höhe: Ein Aktivist stürzte am Samstag in die Tiefe. Sein Sicherheitsseil bewahrte ihn vor schweren Verletzungen.

Keystone

Die Polizei hatte das Protestcamp auf dem Hügel Mormont bei Eclépens in der Waadt am Dienstag geräumt. Vertreter der Klimajugend besetzten das Gelände, um so dessen Abtragung für die Zementproduktion zu verhindern. Bis Samstagmittag befanden sich noch zwei Aktivisten auf dem Areal. Sie weigerten sich, von einem Baum herunterzukommen.

Damit ist es nun vorbei. Ein Aktivist fiel um 11.30 Uhr vom Baum und stürzte fünf bis sieben Meter in die Tiefe. Glücklicherweise wurde er vom eigenen Sicherheitsseil gehalten, das er befestigt hatte. Der Mann verletzte sich dabei leicht, wie die Waadtländer Behörden in einer Mitteilung schreiben. Zur Kontrolle wurde er in ein Spital gebracht. Nach dem Zwischenfall seilte sich auch jene Aktivistin ab, die noch auf dem Baum ausgeharrt hatte.

Für Klimastreik Schweiz war der Unfall mehr als Zufall, sondern wurde von der Polizei forciert. Ein «Unfall auf Ansage», wie die Organisation in einer Stellungnahme auf dem Kurznachrichtendienst Twitter schreibt. Die Polizei habe den beiden Aktivisten Stirnlampen, Schlafsäcke und Essen entwendet. Diese seien «angeschlagen, unterkühlt und gestresst» gewesen. Klimastreik Schweiz gibt sich kämpferisch: Trotz der Vertreibung werde der Widerstand fortgesetzt. Mormont sei nur einer von 1000 Austragungsorte des Kampfes gegen die Zerstörung der Natur durch Grosskonzerne wie LafargeHolcim.

Protest gegen LafargeHolcim

Die Besetzer hatten auf dem rund 600 Meter hohen Hügel während fünf Monaten eine «zu verteidigende Zone» besetzt. Damit wollten sie die Abtragung des Hügels durch die Firma LafargeHolcim verhindern. Diese will dort Kalkstein zur Produktion von Zement gewinnen.

Der Mormont ist im Bundesinventar für Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung eingetragen und gilt als bedeutende archäologische Fundstätte. Widerstand gegen den Kalkabbau in dem Gebiet kommt auch von Umweltverbänden. Diese haben Beschwerde erhoben und sind nach abschlägigen Entscheiden der kantonalen Gerichte ans Bundesgericht gelangt. Der letztinstanzliche Entscheid steht noch aus.

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