Pandemie
St.Galler Intensivmediziner: «Momentan haben wir es mit ‹Hardcore›-Impfgegnern zu tun»

Auf den Intensivstationen steigt wieder die Zahl der Covid-Patienten. Mediziner und Pflegende berichten dabei von renitenten Impfgegnern und Anfeindungen.

Dario Pollice
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Die Schweizer Intensivstationen stehen derzeit unter hoher Belastung. (Symbolbild)

Die Schweizer Intensivstationen stehen derzeit unter hoher Belastung. (Symbolbild)

Keystone

Gian-Reto Kleger ist Chef der Intensivmedizin am Kantonsspital St.Gallen. Er berichtet, dass seit Oktober die Belastung auf der Intensivstation erneut angestiegen sei. «Meine Station ist derzeit zu 75 Prozent mit Covid-Patienten belegt – alle sind ungeimpft», sagt er zur NZZ am Mittwoch.

Normal sei es, 10 bis 15 Prozent der Betten auf der Intensivpflegestation (IPS) als Vorhalteleistung zu haben. «Das können wir aufgrund des Mangels an spezialisiertem Pflegefachpersonal kaum mehr erfüllen. Dies liegt in erster Linie an Patienten mit schweren Covid-19-Erkrankungen», so Kleger.

Während im August vor allem Ferienrückkehrer mit Migrationshintergrund betroffen waren, hat sich die Situation laut dem Intensivmediziner mittlerweile verändert: «Momentan haben wir es mit «Hardcore»-Impfgegnern zu tun.» Sie würden miterleben, wie schwer ihre Angehörigen erkrankt sind, wie sie bis zu drei Wochen lang auf der Intensivstation liegen und beatmet werden müssen. «Trotzdem lehnen sie die Impfung partout ab», sagt Kleger.

Anfeindungen gegenüber Pflegepersonal

Ähnliches berichten auch andere Intensivmediziner in den Tamedia-Zeitungen vom Mittwoch. «Manche Ungeimpfte verweigern sich der Realität», sagt etwa Antje Heise, ärztliche Leiterin der IPS-Station des Spitals Thun. «Es gibt Patienten, die sich noch kurz vor der Intubation froh zeigen, dass sie infiziert wurden – weil sie so auch ungeimpft ein Zertifikat erhalten.»

Dabei seien die Ungeimpften oft auch sehr fordernd, wenn es darum geht, jede erdenkliche Therapie zu erhalten. Einige verlangen den Einsatz von Lungenersatz- Maschinen oder sofort in ein Zentrumsspital verlegt zu werden, auch wenn es gar nicht nötig sei.

Mühe bereitet dem Pflegepersonal zudem, dass es oft Anfeindungen ausgesetzt ist, wie Herbert Leuthold, stellvertretender Leiter Pflege am Kantonsspital St.Gallen sagt: «‹Ihr zwingt uns zum Impfen›, heisst es. Oder: ‹Das ist doch eh nur eine Grippe›, ‹Die wären sowieso alle gestorben›, ‹Selber schuld, dass ihr jetzt so viel zu tun habt, ihr habt doch Betten abgebaut›. Das kommt auch von Bekannten, Freunden, Verwandten. Oft auf eine feindselige, aggressive Art.»

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