Pandemie
Restaurants, Kino, Fitnesscenter: Ab Montag geht es nur noch mit Zertifikat

Nun also doch: Nach langem Zögern weitet der Bundesrat die Zertifikatspflicht aus. Ab Montag darf nur noch ins Restaurant oder Fitnesscenter, wer geimpft, genesen oder getestet ist. Schummler müssen eine Busse von 100 Franken bezahlen.

Reto Wattenhofer
Drucken
Teilen

Ab Montag wird sich das öffentliche Leben für Ungeimpfte und Menschen, die sich nicht früher mit dem Coronavirus angesteckt haben, drastisch ändern. Möchten sie in ein Restaurant, Fitnesscenter oder einen Zoo, müssen sie einen gültigen Test vorweisen. Andernfalls bleiben sie draussen. Ab Oktober wird der Bund die Testkosten auch nicht mehr übernehmen.

So verkündete der Bundesrat am Mittwoch die Ausweitung der Zertifikatspflicht.

Keystone-SDA

Das hat der Bundesrat am Mittwoch entschieden. Damit wird die bereits vor zwei Wochen angekündigte Ausweitung der Zertifikatspflicht Realität. «Wir wollen eine weitere Belastung des Spitalsektors vermeiden», erklärte Bundespräsident Guy Parmelin. Das Ziel ist klar: Weniger Ungeimpfte sollen sich mit dem Coronavirus anstecken. Das Risiko, dass sie später auf der Intensivstation landen, ist bei ihnen deutlich höher als bei Geimpften.

Gesundheitsminister Alain Berset sprach von einem Mittelweg zwischen dem Risiko überlasteter Spitäler und der Schliessung von Geschäften. Mit dem Zertifikat bleibe «das gesellschaftliche Leben so normal wie möglich». Wo es eingesetzt werde, funktioniere es sehr gut, konstatierte Berset mit Blick auf Grossveranstaltungen.

Einmal mehr appellierte der Gesundheitsminister an die Bevölkerung, sich impfen zu lassen, bevor es wieder kälter werde. «Wir haben es selbst in der Hand.» Laut Berset braucht es mehr Tempo. Auch Bundespräsident Parmelin wertet die Impfung als Weg aus der Krise.

Ausnahme für Gemeindeversammlungen

Eine Zertifikatspflicht gilt ab Montag für Personen ab 16 Jahren im Innern von Restaurants, von Kultur- und Freizeiteinrichtungen sowie an Veranstaltungen in Innenräumen. Eingeschränkt wird damit etwa der Zugang zu Museen, Bibliotheken, Zoos, Fitnesscenter, Kletterhallen, Hallenbäder, Aquaparks, Billardhallen oder Casinos. An diesen Orten sind die Maskenpflicht und die Abstandsregeln aufgehoben. Die Massnahme ist befristet bis zum 24. Januar, kann vom Bundesrat bei einer positiven Entwicklung aber auch schon früher aufgehoben werden.

Mit der App Covid Certificate Check kann das Coronazertifikat eingelesen werden.

Mit der App Covid Certificate Check kann das Coronazertifikat eingelesen werden.

Ausgenommen sind religiöse Veranstaltungen und politische Anlässe, sofern nicht mehr als 50 Menschen anwesend sind. Keine Pflicht gibt es zudem bei Parlamenten und Gemeindeversammlungen. Auf Terrassen ist ebenfalls kein Zertifikat nötig, auch nicht in Gassenküchen und in Restaurants in Transitbereichen von Flughäfen. Gleiches gilt für den Detailhandel und den öffentlichen Verkehr.

Differenziert ist die Zertifikatspflicht für sportliche und kulturelle Aktivitäten ausgestaltet. Trifft sich eine bis zu 30-köpfige Gruppe regelmässig fürs Training oder die Probe, gilt sie nicht. Voraussetzung ist, dass die Aktivitäten in abgetrennten Räumlichkeiten stattfinden.

Keine Änderungen gibt es für Veranstaltungen im Freien: Bei mehr als 1000 Personen besteht bereits heute eine Zertifikatspflicht, kleinere Veranstaltungen im Freien können entscheiden, ob der Zugang auf Personen mit Zertifikat eingeschränkt wird.

Hier geht's zur App für das Schweizer Coronazertifikat.

Busse für Schummler

Wer sich nicht an die Zertifikatspflicht hält, kann mit 100 Franken gebüsst werden. Teuer werden könnte es auch für Wirte oder Veranstaltungsbetreiber. Beachten sie nicht die Zertifikatspflicht, droht ihnen eine Busse von bis zu 10'000 Franken. Als letzte Möglichkeit könnten die Behörden einen Betrieb auch schliessen. Für die Kontrolle sind die Kantone zuständig.

Der Bundesrat hat auch die gesetzliche Grundlage geschaffen, damit der Arbeitgeber den Status seiner Angestellten abfragen darf. Geimpfte könnte er dann etwa von der Maskenpflicht befreien. Die Nachfrage ist aber nur erlaubt, wenn es dazu dient, angemessene Schutzmassnahmen festzulegen oder Testkonzepte umzusetzen. Der Arbeitgeber darf die Information über den Immunitätsstatus oder das Testergebnis für keine weiteren Zwecke verwenden.

Betriebe, die ihre Gäste nicht kontrollieren, riskieren gar eine Busse in der Höhe von 10'000 Franken. Das erläuterte Michael Geber vom Rechtsbereich des BAG am Mittwoch.

Keystone-SDA

Nur SVP stellt sich quer

Mit dem Schritt kommt der Bundesrat den Forderungen von Kantonen und fast allen politischen Parteien nach. Noch letzte Woche hatte er von einer Ausweitung der Zertifikatspflicht abgesehen. Die Spitaleinweisungen von Covid-Patienten hätten nicht mehr weiter zugenommen, begründete er damals die abwartende Haltung.

Der oberste Gesundheitsdirektor Lukas Engelberger stärkte an der Medienkonferenz dem Bundesrat demonstrativ den Rücken. «Wir begrüssen die Ausweitung der Zertifikatspflicht», sagte der Präsident der kantonalen Gesundheitsdirektorenkonferenz, der neben Bundespräsident Parmelin sass. Der Preis von Betriebsschliessungen und Verboten wäre viel höher.

Trotz breitem Zuspruch für die Ausweitung der Zertifikatspflicht regte sich auch Widerstand. Der Schweizerische Fitness- und Gesundheits-Center-Verband warnte im Vorfeld vor einem «Todesstoss für die Fitnessbranche». Auch Gastrosuisse wehrt sich gegen den 3G-Zugang. Erneut müsse das Gastgewerbe «den Kopf hinhalten». Der Verband fürchtet «massive Umsatzeinbussen». Von den Bundesratsparteien ist einzig die SVP dagegen. Statt einer ausgeweiteten Zertifikatspflicht forderte sie stärkere Grenzkontrollen.

Aktuelle Nachrichten