Pandemie nicht gleich Epidemie: Versicherungen wollen nicht zahlen

Laut Gastrosuisse-Präsident Casimir Platzer häufen sich Anrufe von Gastrobetrieben, die trotz Epidemien-Versicherung kein Geld von der Versicherung erhalten. Der Grund: Im Kleingedruckten unterscheiden diese zwischen Pandemie und Epidemie. 

Peter Walthard
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Wegen der Coronakrise verlieren Restaurants ihre Einnahmen. Nicht alle können auf die Kulanz ihrer Versicherung zählen.

Wegen der Coronakrise verlieren Restaurants ihre Einnahmen. Nicht alle können auf die Kulanz ihrer Versicherung zählen.  

Keystone

«Es braucht eine Kehrtwende», fordert Gastrosuisse-Präsident Casimir Platzer in der SRF-Radiosendung «Espresso». Der Grund: Auf der Gastrosuisse-Geschäftsstelle häufen sich Klagen von Restaurant-Betreibern, die von ihren Versicherungen kein Geld erhalten, obwohl sie extra eine Epidemien-Versicherung abgeschlossen hatten. Die Begründung der Versicherungen ist laut Platzer, dass es sich bei der Coronakrise nicht um eine Epidemie, sondern eine Pandemie handle. Dem hält Platzer entgegen, dass der Bundesrat nach Epidemiengesetz handle. 

Takashi Sugimoto, Mediensprecher des Schweizerischen Versicherungsverbandes, verweist auf die jeweiligen Policen. Falls dort zwischen Epidemie und Pandemie unterschieden werde, sei die Rechtslage eindeutig. 

Genau dies ist bei vielen Versicherern der Fall, so etwa bei der Axa. «Vorbehalten bleibt der Ausschlussgrund in den jeweils gültigen Versicherungsbedingungen für Schäden infolge von Krankheitserregern, für welche national oder international die WHO-Pandemiestufen 5 oder 6 gelten», ist auf deren Infoseite zu lesen. Die Pandemiestufe 6 hat die WHO am 11. März verkündet. 

Damit nicht genug. Der Vorbehalt greift bei der Axa auch bei anderen Versicherungen, etwa bei der Krankenversicherung: Hier schliessen die allgemeinen Geschäftsbedingungen Leistungen der Zusatzversicherung im Epidemie- und Pandemiefall aus. Ebenfalls weg fallen Reiseversicherungen für Reisen, die nach dem 14.03 gebucht worden sind. An diesem Tag hatte der Bund seine Reisewarnung verkündet. 

Der Ombudsmann der Privatversicherung und der Suva, Martin Lorenzon, hat derzeit erste Fälle auf dem Tisch. Es sei wichtig zu prüfen, ob in der jeweiligen Police ein Unterschied zwischen Epidemie und Pandemie gemacht werde. Dabei handle es sich nicht einfach um Haarspalterei: «Im Gegensatz zu einer Epidemie ist eine Pandemie immer ein Grossrisiko,» sagt er. Solche müssten, soweit sie kalkulierbar sind, anders berechnet werden. Andere Beispiele für Grossrisiken seien etwa Kriege, der Ausfall der Stromversorgung oder ein Erdbeben. Werde die Unterscheidung zwischen Epidemie und Pandemie in der Police nicht gemacht, brauche es eine juristische Prüfung. «Wir beschäftigen uns damit », sagt er.