Pandemie
Bundesratsentscheid: Kürzere Quarantäne kommt gut an

Die Verkürzung von Quarantäne und Isolation sorgt bei Parteien und Verbänden für positive Reaktionen. Die Wirtschaftsvertreter und die SVP wären aber gerne noch weiter gegangen.

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Die Quarantäne wird kürzer, 2G soll bleiben: Das hat der Bundesrat am Mittwoch beschlossen. (Symbolbild)

Die Quarantäne wird kürzer, 2G soll bleiben: Das hat der Bundesrat am Mittwoch beschlossen. (Symbolbild)

Keystone

Der Bundesrat hat am Mittwoch die von vielen Seiten geforderte Verkürzung der Quarantäne und Isolation beschlossen. Die weiteren Massnahmen wie die 2G-Regelung und die Homeoffice-Pflicht will er bis Ende März verlängern, Verschärfungen sind aktuell nicht vorgesehen. Die Entscheide kommen bei den Parteien und Verbänden grösstenteils gut an, auch wenn sich insbesondere die Wirtschaftsverbände noch weitere Erleichterungen gewünscht hätten.

Die Verkürzung der Quarantäne sei ein «gangbarer Mittelweg», lässt sich beispielsweise Die-Mitte-Präsident Gerhard Pfister in einer Mitteilung zitieren. Es könne nicht sein, dass Infrastrukturen und Dienstleistungen wegen der Quarantäneregelung nicht mehr aufrechterhalten und systemrelevante Berufe nicht mehr ausgeübt werden können. Die Partei begrüsse zudem, dass der Bundesrat keine weiteren Verschärfungen beschlossen hat.

Erleichtert zeigte sich auch der Branchenverband Gastrosuisse. Nach dem heutigen Entscheid könnten die Restaurants «durchatmen», wie er schreibt. Weitere Massnahmen wären laut Präsident Casimir Platzer fürs Gastgewerbe verheerend gewesen, da bereits jetzt viele Betriebe defizitär arbeiteten. «Die wirtschaftliche und personelle Lage im Gastgewerbe ist weiterhin ernst», so Platzer weiter. So müsse die 2G+-Regelung in Diskotheken und Tanzlokalen so rasch wie möglich aufgehoben werden.

Gewerbeverband kritisiert Homeoffice-Pflicht

GLP-Präsident Jürg Grossen schreibt auf Twitter, die Verlängerung der Massnahmen sei angesichts der kritischen Situation richtig. Es sei schwierig abzuschätzen, wie sich die Belegung der Intensivstationen entwickle. Die Verkürzung von Quarantäne und Isolation findet er «nachvollziehbar».

Kritik gibt es dagegen vom Schweizerischen Gewerbeverband (SGV). Die Verlängerung der Homeoffice-Pflicht sei «nicht zielführend und reine Symbolpolitik», heisst es in einer Mitteilung. Diejenigen Unternehmen, in welchen Homeoffice möglich ist, hätten diese Massnahme bereits bei der Empfehlung eingeführt. Auch der Arbeitnehmer-Dachverband Travail Suisse ist mit einer Verlängerung der Homeoffice-Pflicht bis Ende März nicht einverstanden. Diese sei «für viele Arbeitnehmende eine Belastung», sollte deshalb regelmässig überprüft und wenn möglich reduziert oder aufgehoben werden.

SVP will alles aufheben

Der SGV hätte gar eine komplette Abschaffung der Quarantäne bevorzugt, zeigt sich aber mit der Verkürzung zufrieden. Auch Valentin Vogt, Präsident des Arbeitgeberverbandes, begrüsst den Entscheid, wie er in einem Video mit der Nachrichtenagentur Keystone-SDA sagte. Gleichzeitig fordert er für symptomlose Personen aber eine vollständige Aufhebung. Die Situation sei angespannt, es fehlten bis zu 200’000 Personen bei der Arbeit wegen Quarantäne oder Isolation. Medizinisch vertretbare Erleichterungen seien essenziell, damit systemrelevante Bereiche der Wirtschaft den Betrieb aufrechterhalten können, heisst es in einer Mitteilung des Verbands.

Für eine komplette Aufhebung von Quarantäne und Isolation spricht sich die SVP aus. Weil die Omikron-Variante «kaum mehr zu schweren Krankheitsverläufen» führe und von einer hohen Dunkelziffer bei den Fallzahlen auszugehen sei, ergäben beide keinen Sinn mehr, heisst es in einer Mitteilung. Corona solle wieder «wie eine normale Grippe» behandelt werden, findet die Partei. Auch die Zertifikats- und Homeoffice-Pflicht, sowie die Masken an Primarschulen sollen fallen. Die Eigenverantwortung müsse wieder an erster Stelle stehen.

Dass der Bundesrat trotz der hohen Virus-Aktivität keine weitergehenden Massnahmen vorsieht, kommt aber nicht überall gut an. So schreibt Grünen-Präsident Balthasar Glättli auf Twitter von einer «Hochrisiko-Strategie, die auf dem Weg in die endemische Phase viele Opfer in Kauf nimmt.» (agl)

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