Oberster Bundes-Experte warnt: «Corona-Massnahmen könnten noch zwei Jahre dauern»

Es sei möglich, dass die Massnahmen zur Eindämmung des Coronavirus uns noch länger einschränken. Dies sagt Matthias Egger, Leiter der Covid-19 Task-Force des Bundes. Zudem räumt er ein, dass sich die Wissenschafter strengere Regeln für Aufhebung des Lockdowns wünschten.

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Matthias Egger ist Leiter der Covid-19 Task-Force des Bundes.

Matthias Egger ist Leiter der Covid-19 Task-Force des Bundes.

Peter Schneider

(dpo) «Es ist möglich, dass wir noch zwei Jahre oder länger so weiterleben müssen», sagt Matthias Egger in einem Interview mit der «NZZ am Sonntag. Damit meine er Abstand, Masken, Hygiene – alles was dazu gehöre, um die Verbreitung des Corona-Virus zu bremsen.

«Wir kennen das Virus schlecht. Es kann sein, dass wir unangenehme Eigenschaften entdecken, welche die Entwicklung von wirksamen und sicheren Impfstoffen komplizieren und verlangsamen» sagt der Professor für Epidemiologie und öffentliche Gesundheit der Universität Bern. Egger hofft, dass in einem Jahr grossflächig im Rahmen von Studien geimpft werden könne.

Weiter räumt Egger ein, dass die Wissenschafter auch Massnahmen vorgeschlagen hatten, die der Bundesrat nicht ins Schutzkonzept aufgenommen habe. Zum Beispiel wollte die Task-Force eine schrittweise Öffnung der Schulen mit maximal 15 Schülern pro Klasse und gestaffelten Pausen.

«Jeder und jede muss mitmachen»

Es sei jedoch völlig klar, dass wirtschaftliche Interessen bei diesen Entscheiden mit eine Rolle spielen. Zudem müssten laut dem Bundes-Experten auch die sozialen Folgen des Lockdowns in Entscheidungen mit einfliessen, nicht nur der Schutz der Gesundheit.

Der Bundesrat schlage keine Hochrisikostrategie ein, beschwichtigt Egger. Wenn sich die Schweizer Bevölkerung an die Regeln und Schutzkonzepte halte, sei zu erwarten, dass die Reproduktionszahl unter eins bleibt. «Es muss aber jeder und jede mitmachen. Sonst ist eine zweite Welle realistisch», sagt der Mediziner.