Nur 18 von 1422 Linien im regionalen ÖV sind rentabel

Die Rentabilität des regionalen Personenverkehrs ist grösstenteils ungenügend. 33 Regionallinien sind wegen ihres sehr tiefen Kostendeckungsgrades gefährdet. Der Bund muss nun prüfen, ob sie diese weiter finanzieren will.

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In abgelegenen Region beträgt der Kostendeckungsgrad des öffentlichen Verkehrs teilweise unter zehn Prozent (Symbolbild).

In abgelegenen Region beträgt der Kostendeckungsgrad des öffentlichen Verkehrs teilweise unter zehn Prozent (Symbolbild).

Keystone

(gb.) In der Schweiz betreiben über 100 Transportunternehmen insgesamt 1422 Regionalverkehrslinien. Gemäss der Idee des Service public werden diese ÖV-Angebote zum Nutzen der Allgemeinheit von der öffentlichen Hand finanziert – auch solche, die sehr wenig rentabel sind.

Das Bundesamt für Verkehr (BAV) hielt die Zahlen zur Rentabilität des Regionalverkehrs lange unter Verschluss. Den Tamedia-Zeitungen gelang es aber, die Daten mit Verweis auf das Öffentlichkeitsgesetz einzufordern. Diese sind seit Montag auf der Website des BAV abrufbar.

Die Auflistung zeigt, welche regionale Strecken in der Schweiz besonders unrentabel sind und gar aus dem Finanzierungstopf des Bundes fallen könnten. Die Kantone und der Bund beteiligen sich jährlich mit rund einer Milliarde Franken am öffentlichen Regionalverkehr.

Stopp der Bundesgelder ist «Ultima Ratio»

Insgesamt sind es 33 Linien, welche einen Kostendeckungsgrad von unter zehn Prozent ausweisen und deshalb vom BAV überprüft werden. Das heisst: Der Bund könnte die Finanzierung dieser Linien stoppen und diese den Kantonen überlassen. Wie ein BAV-Sprecher auf Anfrage von CH Media erklärte, sei dies aber die «Ultima Ratio». «Zuerst wird probiert, mit den Kantonen und Transportunternehmen eine Lösung zu finden.» So könnten etwa Kurse zu Randzeiten abgebaut werden oder Busse statt Züge eingesetzt werden. Die betroffenen Linien befinden sich etwa zur Hälfte in der Westschweiz.

Das BAV überprüft die Rentabilität der ÖV-Verbindungen alle zwei Jahre. In sehr ländlichen oder bergigen Gebieten prüft es Linien, die einen Kostendeckungsgrad von unter zehn Prozent aufweisen. In Agglomerationen und Ballungsräumen würden Linien mit einem Kostendeckungsgrad von unter 20 Prozent geprüft, teilte das BAV weiter mit.

Nur 18 Linien sind rentabel

Die Zahlen zeigen auch, welche Linien besonders rentabel sind. Von den 1422 Verbindungen sind es aber nur 18, welche einen Kostendeckungsgrad von über 100 Prozent aufweisen, bei denen also mehr eingenommen als ausgeben wird. Darunter sind vor allem Linien im Ballungsraum Zürich.