Landesverteidigung
«Kommando Cyber»: So reagiert der Bundesrat auf Angriffe auf die Armee aus dem Netz

Die Landesregierung will die Cyber-Abwehr der Armee ausbauen. Konkret soll ein Kommando Cyber geschaffen und die Milizbestände in diesem Bereich ausgebaut werden.

Dario Pollice
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Das Kommando Cyber soll künftig seine Fähigkeiten in den Bereichen Cyberabwehr und elektronische Kriegsführung bereitstellen. (Symbolbild)

Das Kommando Cyber soll künftig seine Fähigkeiten in den Bereichen Cyberabwehr und elektronische Kriegsführung bereitstellen. (Symbolbild)

Keystone

In Zukunft wird die Zahl der Cyberangriffe zunehmen. Dies stellte der Nachrichtendienst des Bundes NDB kürzlich in seinem Lagebericht 2021 fest. Nun will sich die Schweizer Armee auf die Bedrohung im Cyber-Bereich wappnen. «Auch die Armee muss ihre Informatiksysteme besser schützen», sagte Verteidigungsministerin Viola Amherd am Mittwoch vor den Medien in Bern.

Konkret will der Bundesrat die Führungsunterstützungsbasis (FUB) in ein Kommando Cyber weiterentwickeln. Die Umsetzung soll per Anfang 2024 erfolgen, wie das Verteidigungsdepartement mitteilt.

Mit der zunehmenden Vernetzung sämtlicher Systeme der Militärverwaltung und der Armee würden auch die Herausforderungen beim Cyber-Schutz steigen. Entsprechend soll die breit gefächerte FUB in ein «einsatzorientiertes, militärisches Kommando» weiterentwickelt werden, heisst es. Dieses soll in Zukunft Schlüsselfähigkeiten in den Bereichen Lagebild, Cyberabwehr, IKT-Leistungen, Führungsunterstützung, Kryptologie und elektronische Kriegsführung bereitstellen.

Neues Cyber-Kommando : So will Amherd die Schweizer Armee online aufrüsten.

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Der Bundesrat will allerdings auch die Milizbestände im Cyber-Bereich ausbauen. So soll per Januar 2022 ein Cyber-Bataillon und ein Cyber-Fachstab gebildet werden. Damit würde der Bestand in der Miliz von heute 206 auf 575 Armeeangehörige erhöht. Dieser Personalausbau wird gemäss Bundesrätin Amherd haushaltsneutral finanziert und innerhalb des Verteidigungsbudgets kompensiert.

Darüber hinaus ist vorgesehen, dass die Cyber-Milizionäre auch Praktika bei externen Partnern absolvieren. «Das sind primär Kraftwerke und kantonale Polizeikorps», führte Thomas Süssli, Chef der Armee, aus.

Armee soll auch an zivilen Anlässen mehr Einsätze leisten

Als weiteren Schritt will die Landesregierung eine Militärluftfahrtbehörde schaffen. In der Schweiz habe es bislang für die Militärluftfahrt keine mit dem Bundesamt für Zivilluftfahrt (BAZL) vergleichbare Organisation gegeben. Damit soll die Betriebssicherheit der Luftwaffe sowie die Aufsicht und Regulation im militärischen Flugwesen verbessert werden, heisst es.

Der Bundesrat will im Zuge dieser Weiterentwicklung auch die Unterstützung von zivilen Anlässen durch die Armee stärken. Einerseits sollen Rekrutinnen und Rekruten auch in der Grundausbildung für diese Anlässe eingesetzt werden können und nicht nur Durchdiener oder Armeeangehörige im Wiederholungskurs. «Das erhöht die Flexibilität und Verfügbarkeiten», so Viola Amherd. Zum anderen soll die Armee bei grösseren Anlässen Leistungen «im beschränkten Rahmen» erbringen können.

Die angepeilten Weiterentwicklungen setzen laut Mitteilung in gewissen Bereichen eine Revision des Militärgesetzes und der Verordnung über die Armeeorganisation voraus. Die entsprechende Botschaft zuhanden des Parlaments hat der Bundesrat am Mittwoch verabschiedet.