Interview
Milliardär Hansjörg Wyss warnt vor der SVP

In Amerika hat der Schweizer Milliardär Hansjörg Wyss viel Einfluss. In einem Interview äussert er sich nun zu Corona und zur Schweizer Politik.

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Hansjörg Wyss baute sein Imperium in der Schweiz auf, lebt aber in den USA.

Hansjörg Wyss baute sein Imperium in der Schweiz auf, lebt aber in den USA.

zvg

In den USA gilt Hansjörg Wyss als finanzkräftiger Unterstützer der Demokraten. Nun äussert er sich auch zur Schweizer Politik. In einem Interview mit dem Blick bezeichnet er die SVP als «grosse Gefahr für die Schweiz.» Die Partei habe nicht erkannt, «dass wir in einer international vernetzten Welt leben», sagte er.

Zwar sieht auch Wyss das Bevölkerungswachstum als grosse Herausforderung für die Schweiz. «Die Schweiz kann mit elf Millionen Einwohnern nicht konkurrenzfähig sein.» Letztlich werde das Land zu einer grösseren Stadt. «Das schöne und behütete Land, das wir alle kennen und lieben gelernt haben, werden wir noch schmerzlichst vermissen», sagt Wyss. Die Zuwanderung begrenzen, will er aber auf keinen Fall. Diese habe dem Land enorm geholfen.

Schwierige Beziehung zur EU – gute Coronapolitik

Auch befürchtet Wyss, dass die Situation für die Schweiz in den kommenden fünf bis zehn Jahren schwierig wird. Der Grund: die Beziehung zur EU. «Der Bundesrat hätte niemals die Verhandlungen abbrechen sollen.» Nun werde die Schweiz wie Pakistan behandelt werden. «Die Schweiz wird ignoriert, bleibt beim Forschungsprogramm Horizon 2027 aussen vor, sitzt nicht bei den wichtigen Diskussionen am Tisch.» Das sei Gift für die hiesige Wirtschaft.

Ein positives Zeugnis stellt er der Schweiz für ihre derzeitige Coronapolitik aus. Die Ausweitung der Zertifikatspflicht sei nach dem Wirrwarr im letzten Herbst eine gute Entscheidung gewesen. Wyss outet sich im Interview als entschiedener Impfbefürworter: «Den Mitarbeitenden meiner Stiftung habe ich klipp und klar gesagt: ‹Sind Sie nicht geimpft, verlieren Sie Ihren Job!›»

Wyss machte sich ursprünglich mit der Orthopädiefirma Synthes einen Namen, in die er sich 1977 einkaufte. 2012 verkaufte Wyss Synthes an den US-Pharmariesen Johnson & Johnson. Dies machte ihn zum mehrfachen Milliardär. (wap)

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