Internetbetrüger missbrauchen Roger Federer für Cyberangriffe 

Mit fiktiven Promi-Interviews haben Hacker im vergangenen Jahr missbräuchliche Werbung für Kryptowährungen gemacht. Die Kantonspolizei legte 450 betrügerischen Onlineshops das Handwerk.

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Hacker versuchten mit fiktiven Interviews von Roger Federer ihre Opfer übers Ohr zu hauen.

Hacker versuchten mit fiktiven Interviews von Roger Federer ihre Opfer übers Ohr zu hauen.

Keystone

(sku) Mit Kryptowährungen schnelle und grosse Gewinne machen. Das versprachen falsche Online-Handelsplattformen und dafür werbende Websites, wie die Melde- und Analysestelle Informationssicherung (Melani) in ihrem Halbjahresbericht vom Donnerstag festhält. Die betrügerische Werbung sei oft über soziale Netzwerke verbreitet worden und habe Prominente missbraucht, um die Glaubwürdigkeit zu unterstreichen. So erklärten Roger Federer und DJ Bobo in fiktiven Interviews, einen Teil ihres Vermögens mit Bitcoins gemacht zu haben.

In ihrem Bericht hält die Melani jeweils die wichtigsten Cybervorfälle in der Schweiz wie auch international fest. So sperrte etwa die Abteilung «Cybercrime» der Kantonspolizei Zürich in Zusammenarbeit mit Switch, der Schweizer Registrierungsstelle von «.ch»-Internet-Online-Adressen, letzten Dezember 450 fiktive Onlineshops kurz nach ihrer Aufschaltung. Insgesamt konnte seit Anfang 2018 über 6'500 solcher Onlineshops das Handwerk gelegt werden. Diese Massnahme führe auch zum drastischen Rückgang neu entstehender betrügerischer Shops mit Schweizer Adressen. 

Phishing-Mails wegen Olympischer Spiele

Vor dem Hintergrund der Coronakrise warnen die Organisatoren der Olympischen Sommerspiele 2021 in Japan vor sogenannten Phishing-Mails. Laut Melani hat Microsoft letzten Oktober zahlreiche Angriffe bekannt gemacht, die gegen mindestens 16 Anti-Doping-Behörden und Sportorganisationen auf drei Kontinenten ausgeführt worden waren. Die Angriffe können gemäss Melani mit der Veröffentlichung des Entscheids der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada), Russland von den Olympischen Spielen in Tokio auszuschliessen, in Verbindung gebracht werden.

Weiter bemerkt die Melani, dass der Erfolg von Plattformen wie Airbnb oder Uber das Interesse von Kriminellen wecke. So bezahlen Betrüger eine «Geisterfahrt» bei einem Uber-Fahrer im Voraus, obwohl weder Kunde noch Fahrer jemals das Haus verlassen. Schliesslich zahlt der Fahrer das Geld an den Kriminellen zurück, wobei er einen Prozentsatz davon als Belohnung behalten darf. Ein ähnliches Muster sei auf Airbnb beobachtet worden: Der Kriminelle bezahle eine Wohnung, die er aber nie bewohnen wird. Auch hier zahle der Vermieter das Geld zurück und nehme dabei eine Provision ein.