Immobilien
Weg vom Eigenmietwert, dafür weniger Abzüge bei den Steuern

Die Wirtschaftskommission des Ständerats will den Eigenmietwert abschaffen. Im Gegenzug sollen Schuldzinsen und Unterhaltskosten bei den Steuern nicht mehr abgezogen werden können.

André Bissegger
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Die ständerätliche Wirtschaftskommission will den Eigenmietwert abschaffen. (Symbolbild)

Die ständerätliche Wirtschaftskommission will den Eigenmietwert abschaffen. (Symbolbild)

Keystone

Es gleicht beinahe einer unendlichen Geschichte: In den vergangenen zwei Jahrzehnten sind verschiedene Anläufe gescheitert, um den Eigenmietwert abzulösen. Nun unternimmt die Wirtschaftskommission des Ständerats einen erneuten Anlauf. Sie hat ihren Entwurf für ein Bundesgesetz über den Systemwechsel bei der Wohneigentumsbesteuerung beraten und mit neun zu zwei Stimmen bei einer Enthaltung verabschiedet, wie die Parlamentsdienste am Freitag mitteilten. Der Bundesrat kann nun dazu Stellung beziehen. Danach wird der Entwurf voraussichtlich in der Herbstsession vom Ständerat behandelt, wie es weiter heisst.

Die Kommission beantragt der kleinen Kammer, dass der Eigenmietwert für selbstbewohntes Wohneigentum am Wohnsitz auf Bundes- und Kantonsebene künftig nicht mehr besteuert wird. Bislang müssen Hausbesitzer, die in ihren eigenen vier Wänden wohnen, eine fiktive Miete als Einkommen versteuern. Der Grund: Sie könnten Geld einnehmen, wenn sie ihr Wohneigentum vermieten würden.

Keine Abzüge mehr in der Steuererklärung

Im Gegenzug sollen die Besitzer dieser Liegenschaften auf Bundesebene künftig Kosten für Unterhalt, Versicherungsprämien oder Energiesparmassnahmen nicht mehr abziehen können. Auf Kantonsebene sollen die Abzüge jedoch weiterhin möglich bleiben. Das gilt auch für Kosten für denkmalpflegerische Arbeiten, die sowohl beim Kanton als auch beim Bund weiter abgezogen werden können. Dafür sehe die Kommission neu einen befristeten Ersterwerbsabzug vor, wie es weiter heisst. Dieser beträgt maximal 10'000 Franken.

Keine Änderungen will die Kommission bei selbstgenutzten Zweitliegenschaften: Ferienwohnungen und -häuser sollen auf Bundes- und Kantonsebene steuerbar bleiben. Das gilt auch für Erträge aus vermieteten oder verpachteten Liegenschaften.

Keine Anreize für Verschuldung

Das System mit dem Eigenmietwert und die Hypothekarschulden führen dazu, dass Schweizer Liegenschaftsbesitzer im internationalen Vergleich eine relativ hohe Verschuldung aufweisen. Hier will die Kommission ansetzen und die Verschuldungsanreize reduzieren. In Zukunft soll es nach Ansicht der Kommissionsmehrheit daher keinerlei Schuldzinsenabzüge mehr geben. Eine Kommissionsminderheit wollte die Schuldzinsabzüge auf 70 Prozent der steuerbaren Vermögenserträge beschränken.

Der Hauseigentümerverband (HEV) Schweiz begrüsst die Verabschiedung der Revisionsvorlage, wie er am Freitag mitteilte. Dem Verfassungsauftrag der Wohneigentumsförderung sei endlich Rechnung zu tragen. Er fordere seit Langem die Abschaffung der «verpönten Steuer» für die Bewohnung der eigenen vier Wände. Allerdings will der HEV, dass Zweitwohnungs- und Mietliegenschaftsbesitzer, die weiterhin einen Eigenmietwert bezahlen müssten, ihre Schuldzinsen unverändert abziehen können.

Die Thematik «Eigenmietwert» beschäftigt die Schweizer Bevölkerung schon lange. 1999 lehnte das Stimmvolk die Initiative «Wohneigentum für alle» ab, fünf Jahre später scheiterte ein Systemwechsel, der im Steuerpaket 2001 vorgesehen war. 2012 erlitt auch die Initiative «Sicheres Wohnen im Alter» Schiffbruch, bei der Rentner den Eigenmietwert nicht mehr hätten versteuern müssen. Dazu kamen verschiedene parlamentarische Vorstösse.

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