Glücksspiel
Gegen «Spieltourismus»: Schweiz und Liechtenstein tauschen Daten über gesperrte Zocker aus

Die Schweiz und Liechtenstein haben ein Abkommen unterzeichnet, wonach Spielsperren zwischen beiden Ländern automatisch übernommen werden. Das Abkommen ist europaweit einzigartig.

Ann-Kathrin Amstutz
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Kein Problem für gesperrte Zocker: Vom Grand Casino St. Gallen aus ist das nächste Casino im Liechtenstein schnell zu erreichen. (Archivbild)

Kein Problem für gesperrte Zocker: Vom Grand Casino St. Gallen aus ist das nächste Casino im Liechtenstein schnell zu erreichen. (Archivbild)

Keystone

Nur gerade 15 bis 30 Autominuten sind grenznahe Schweizer Casinos wie in St. Gallen oder Bad Ragaz von einem liechtensteinischen Pendant entfernt. Kein Hindernis für Spielerinnen und Spieler, die im einen Land gesperrt wurden. Dieser Umstand ist der Schweiz wie auch Liechtenstein ein Dorn im Auge.

Man wolle verhindern, dass in einem Land gesperrte Personen jenseits der Grenze weiterspielen können, schreibt das eidgenössische Justizdepartement am Donnerstag in einer Mitteilung. Der sogenannte «Spieltourismus» zwischen den beiden Ländern solle unterbunden werden.

Spielsperren werden ab sofort in beiden Ländern anerkannt

Zu diesem Zweck hat Justizministerin Karin Keller-Sutter mit der liechtensteinischen Regierungschef-Stellvertreterin ein bilaterales Abkommen unterzeichnet. Das Abkommen ermöglicht es, Daten über gesperrte Personen zwischen Casinos der beiden Länder auszutauschen. Zudem anerkennen beide Länder Spielsperren, die vom anderen Land verhängt werden.

Die liechtensteinische Regierungschef-Stellvertreterin Sabine Monauni und Justizministerin Karin Keller-Sutter bei der Unterzeichnung des Abkommens in Bern.

Die liechtensteinische Regierungschef-Stellvertreterin Sabine Monauni und Justizministerin Karin Keller-Sutter bei der Unterzeichnung des Abkommens in Bern.

Keystone

Bei der Unterzeichnung sprach Karin Keller-Sutter von einem «Meilenstein für den grenzüberschreitenden Spielerschutz». Das Abkommen ist europaweit das erste dieser Art. Die Schweiz und Liechtenstein nehmen daher laut der Justizministerin eine «Vorreiterrolle» ein. Das Abkommen verstärke den Schutz der Spielerinnen und Spieler vor Spielsucht.

Von Spielsperren betroffen sind Personen, die «überschuldet sind, ihren finanziellen Verpflichtungen nicht nachkommen, Spieleinsätze über ihren finanziellen Verhältnissen tätigen oder spielsüchtig sind», heisst es weiter. Das Abkommen unterliegt dem fakultativen Referendum.

Austausch wurde auch mit anderen Ländern geprüft

In der Schweiz gibt es 21 konzessionierte Spielbanken und zwei Veranstalterinnen von Grossspielen (Swisslos und Loterie Romande). Im kleinen Liechtenstein hat es ganze fünf Casinos.

Wie im Text des Abkommens steht, hat die Schweiz auch mit anderen Nachbarländern einen Datenaustausch geprüft. Jedoch sei weder «die geografische Lage und Dichte der Spielbanken noch die Rechtslage vergleichbar» mit Liechtenstein. Die Umsetzung des Austausches werde erleichtert durch den Umstand, dass das Geldspielrecht im Fürstentum sehr ähnlich aufgebaut sei wie in der Schweiz.