Gesundheitsminister Berset über neues Corona-Virus: «Wir lernen jeden Tag dazu»

Nach dem Verbot von Grossanlässen behält sich der Bundesrat laut Alain Berset explizit weitere Massnahmen vor. Doch Vorhersagen, wie sich das neue Corona-Virus effektiv ausbreiten werde, seien schwierig.

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Bundesrat Alain Berset: «Die Spannbreite der möglichen Szenarien ist sehr gross und verlässliche Projektionen sind schwierig.»

Bundesrat Alain Berset: «Die Spannbreite der möglichen Szenarien ist sehr gross und verlässliche Projektionen sind schwierig.»

Alessandro Della Valle / KEYSTONE

(sat) Der Entscheid des Bundesrates vom Freitag, Anlässe mit mehr als 1000 Personen per sofort zu verbieten, erfolgte laut Alain Berset «nicht über Nacht, sondern in enger Abstimmung mit den Kantonen und Experten». Und weitere Massnahmen, so betont der Gesundheitsminister im «SonntagsBlick»-Interview, behalte sich die Landesregierung explizit vor. Gehe es doch nicht zuletzt auch darum, Klarheit zu schaffen. Und zwar für die Bevölkerung und die Wirtschaft wie auch für die Kantone: «Wir wollen weitere Ansteckungen, so gut es geht, in Grenzen halten.»

Zur vergangenen Woche zeigt sich Alain Berset zwar überrascht, wie «rasant» sich die Situation entwickelt habe. Erst am Dienstag war Patient Nummer eins mit dem neuartigen Corona-Virus im Tessin entdeckt worden. Er gilt inzwischen zwar bereits als geheilt und ist dem Spital wieder entlassen worden. Doch Ende Woche lag die Zahl der Infizierten schon bei weit über einem Dutzend. «Die Massnahmen zeigen, dass wir es ernst meinen», betont Berset in der «SonntagsZeitung». Den Kopf in den Sand zu stecken und nötige Schritte nicht tun zu wollen «trage nicht zur Beruhigung bei, ebenso wenig wie Hyperaktivität oder reine Symbolik».

Nächster Schritt: Verbot von Begrüssungsküssen?

Nebst der Tatsache, dass auch in der Schweiz weiterhin mit direkten Ansteckungen gerechnet werden müsse, gibt Gesundheitsminister Berset jedoch in beiden Sonntagszeitungen zu denken, dass im nahen Ausland bereits Fälle gefunden wurden, bei denen die Infektionskette nicht mehr rekonstruiert werden kann. «Das wollen wir so lange wie möglich verhindern», so Berset im «SonntagsBlick». Darum beurteile der Bundesrat die Situation in Zusammenarbeit mit Behörden und Expert laufend und werde die Massnahmen flexibel anpassen.

«Wir wissen noch wenig über dieses neue Coronavirus. Wir lernen jeden Tag dazu», erklärte Alain Berset im «SonntagsBlick» weiter. Was heute gelte, sei morgen darum vielleicht schon veraltet. Denn, so wagt der Gesundheitsminister im Interview dennoch einen summarischen und allgemeinen Ausblick: «Die Spannbreite der möglichen Szenarien ist sehr gross und verlässliche Projektionen sind schwierig.»

In der «SonntagsZeitung» geht Berset dann noch einen Schritt weiter und zieht ein Verbot von Begrüssungsküssen «ernsthaft in Betracht». Die Überlegung dahinter: «Wir wissen, dass soziale Distanzierung der beste Weg ist, die Verbreitung des Virus einzudämmen.» Empfehlungen zum häufigen Händewaschen, Niesen in die Armbeugen und zur Benutzung von Papiertaschentüchern hatte der Bund bereits früher ausgegeben. Ebenso raten die Behörden vorsorglich zur Impfung gegen die saisonale Grippe; dies ist allerdings keine neue Empfehlung.