Gesundheit
Bundesrat erleichtert Zugang zu Psychotherapie

Psychotherapeuten dürfen ab nächstem Juli selbständig über die Krankenkasse abrechnen. Dadurch erhalten Menschen mit psychischen Problemen einen besseren Zugang.

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Psychotherapeuten sollen nicht mehr unter Aufsicht von Ärzten arbeiten müssen. (Symbolbild)

Psychotherapeuten sollen nicht mehr unter Aufsicht von Ärzten arbeiten müssen. (Symbolbild)

Keystone

(rwa) Heute müssen Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten unter Aufsicht eines Arztes arbeiten. Ihr Patient muss davor einen Psychiater konsultieren. Das kann negative Folgen haben: Patientinnen und Patienten, die eine Behandlung nicht selbst zahlen können, bleiben im aktuellen System oft zu lange unbehandelt. Das birgt die Gefahr, dass psychische Krankheiten chronisch werden.

Nun vollzieht der Bundesrat einen Systemwechsel. Er hat am Freitag beschlossen, dass psychologische Psychotherapeuten künftig zulasten der obligatorischen Krankenversicherung selbständig tätig sein können. Die revidierte Verordnung gilt ab nächstem Juli.

Versorgungsengpässe reduzieren

Voraussetzung für die Abrechnung ist eine Anordnung durch den Hausarzt. Nach Ansicht des Bundesrates können dadurch Versorgungsengpässe bei Kindern und Jugendlichen sowie Erwachsenen in Krisen- und Notfallsituationen reduziert werden. Der Zugang zur Psychotherapie werde verbessert, heisst es in einer Mitteilung des Bundesamtes für Gesundheit.

Psychische Störungen zählen demnach zu den häufigsten und am meisten einschränkenden Krankheiten. Gemäss Schätzungen tritt bei bis zu einem Drittel der Bevölkerung eine psychische Krankheit ein, die in den meisten Fällen behandelt werden sollte. Am häufigsten sind Depressionen, Angststörungen und Suchterkrankungen.

Monitoring über Kosten

Die Krankenkassen hatten sich in der Vernehmlassung kritisch gezeigt. Sie befürchten Zusatzkosten von jährlich bis zu 500 Millionen Franken. Der Bundesrat beziffert die Mehrkosten auf 170 Millionen Franken pro Jahr. Allerdings hat er den Bedenken der Krankenkassen Rechnung getragen.

Pro ärztliche Anordnung sind maximal 15 psychotherapeutische Sitzungen möglich. Nach 30 Sitzungen muss mit der Krankenkasse Rücksprache genommen werden, um die Therapie zu verlängern. Um die Entwicklung der Kosten im Auge zu behalten, wird der Bund in den nächsten Jahren ein Monitoring durchführen.