Gesellschaft
Der Coronagraben gewinnt weiter an Sprengkraft

Die Pandemie droht die Gesellschaft zu spalten. Das bestätigt nun auch eine neue Umfrage. Eine Mehrheit erachtet den Coronagraben als grösste Gefahr für ein Auseinanderdriften der Schweiz.

Reto Wattenhofer
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Massnahmen wie die Zertifikatspflicht polarisieren: Für die Befürworter sind sie der Schlüssel zur Freiheit, für die Gegner Spaltpilz für die Gesellschaft.

Massnahmen wie die Zertifikatspflicht polarisieren: Für die Befürworter sind sie der Schlüssel zur Freiheit, für die Gegner Spaltpilz für die Gesellschaft.

Keystone

Der erneute Lockdown, die Impffrage sowie der Streit um die ausgeweitete Zertifikatspflicht: Als Folge der heftigen Kontroversen hat der Konflikt um Coronamassnahmen seit letztem Herbst deutlich an Sprengkraft gewonnen. Zu diesem Schluss gelangt das am Freitag publizierte Generationen-Barometer 2021 im Auftrag des Berner Generationenhauses.

Die Haltung, wie die Pandemie bekämpft werden soll, ist zur zentralen gesellschaftlich-politischen Bruchlinie in der Gesellschaft geworden. Gemäss der Umfrage sehen 77 Prozent der Befragten ein Auseinanderdriften der Schweiz. Vor einem Jahren waren es erst 38 Prozent gewesen.

Stadt-Land-Graben wenig ausgeprägt

Als grösstes Spannungsfeld neben dem Coronagraben orten die Befragten die wirtschaftliche Ungleichheit. 60 Prozent sind der Ansicht, dass sich hierzulande die Schere zwischen Arm und Reich öffnet. Knapp die Hälfte sieht eine klassische politische Konfliktlinie zwischen links und rechts. Erst an vierter Stelle folgt der Graben zwischen Stadt und Land, den die SVP seit dem Sommer unentwegt beschwört.

Während Corona polarisiert, haben viele Gräben an Brisanz verloren – etwa der Gegensatz zwischen Jung und Alt, der zu Beginn der Pandemie mehr zu reden gab als heute. Gleiches gilt für die Ausländerfrage wie auch den Rösti-Graben.

Junge rücken in Fokus

Punkto Corona zeigt die Umfrage noch eine andere interessante Entwicklung. Während zu Beginn der Pandemie die gesundheitliche Bedrohung für ältere Menschen zentral war, treten nun stärker junge Erwachsene und Teenager ins gesellschaftliche Bewusstsein. Aus Sicht der Befragten ist diese Altersgruppe nun besonders von den Einschränkungen des öffentlichen Lebens und den mentalen Folgen der Pandemie betroffen.

Für die Umfrage wurden zwischen dem 1. und 13. September 4162 Erwachsene aus der deutsch- und französischsprachigen Schweiz befragt.

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