Für seine Recherchen zu den «Cryptoleaks»: Mehdi Atmani wird Journalist des Jahres

Der freie Journalist Mehdi Atmani erhält die Auszeichnung «Swiss Press Journalist of the Year». Seine fünfteilige Videoserie «La Suisse sous couverture» deckte die «Cryptoleaks»-Affäre auf. Vor allen anderen.

Drucken
Teilen
Mehdi Atmani ist Journalist des Jahres 2020.

Mehdi Atmani ist Journalist des Jahres 2020.

Swiss Press Award

(agl) Im Februar enthüllte die SRF-Sendung «Rundschau», wie amerikanische Geheimdienste und der deutsche Bundesnachrichtendienst mit manipulierten Chiffriergeräten der Schweizer Firma Crypto AG jahrzehntelang Staaten ausspioniert hatten. Die Aufdeckung des «Cryptoleaks»-Skandals sei zu diesem Zeitpunkt aber gar keine Neuigkeit mehr gewesen, schreibt die Fondation Reinhardt von Graffenried, die jährlich den Swiss Press Award verleiht.

Am Mittwoch zeichnete sie Mehdi Atmani als Journalisten des Jahres aus. Bereits am 18. November 2019 ging seine Videoserie auf der Website des Westschweizer Fernsehens RTS online. Die erste Folge, «Agents infiltrés», dreht sich um die Crypto AG. Resonanz auf die Berichterstattung habe es keine gegeben.

Beschattungsaffäre und Toilettenrevolution

Der 36-Jährige hege jedoch keine Ressentiments, schreibt die Fondation weiter. Er fände lediglich schade, dass sich die SRG-Sender beidseits des Röstigrabens im gegenseitigen Wissen um die parallel laufenden Recherchen nicht koordinierten. «Seine akribische Arbeit, seine Bescheidenheit und sein Wille, weiterzumachen, zeichnen Mehdi Atmani als Journalist des Jahres 2020 aus.» Er ist der erste, der diese neue Auszeichnung erhält. Atmani und sein Kollege Alexandre Bugnon belegten zusätzlich den 1. Platz in der Kategorie Video.

Weitere Auszeichnungen erhielten unter anderem die drei NZZ-Journalisten Martin Beglinger, Zoé Baches und Ermes Gallarotti für ihre Artikelserie zur Beschattungsaffäre bei der Credit Suisse. Sie erhielten den zweiten Preis in der Kategorie Text. Der erste Preis ging an Arnaud Robert für seinen Text «Die Toilettenrevolution» über die weltweite Toilettenhygiene. In der Kategorie «Local» gewann François Ruchti mit einem Bericht über Jagdsafaris im Wallis.