Fünfte Coronawelle
Pflege, Logistik, Impfen: Die Armee ist bereit, den Spitälern zur Hilfe zu eilen

Um Spitälern und Kantonen im Kampf gegen die Pandemie zu helfen, bietet der Bundesrat erneut die Armee auf. Bisher haben drei Westschweizer Kantone um Hilfe ersucht.

Peter Walthard
Drucken
«Die Armee ist bereit, wenn es sie braucht»: Laut Stabschef Raynald Droz beginnt der Einsatz in 24 bis 48 Stunden.

«Die Armee ist bereit, wenn es sie braucht»: Laut Stabschef Raynald Droz beginnt der Einsatz in 24 bis 48 Stunden.

Keystone

Der Bundesrat hat einen erneuten Assistenzdienst der Armee zugunsten der zivilen Behörden beschlossen. Dies sagte Raynald Droz, Stabschef Kommando Operationen beim Bundesamt für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) am Dienstag vor den Medien in Bern. Maximal 2500 Armeeangehörige stehen laut Droz zur Verfügung, um Spitälern bei der Pflege oder beim Patiententransport zu unterstützen. Auch für die Impfkampagnen der Kantone stehe die Armee bereit.

Der Einsatz erfolgt dabei nach dem Subsidiaritätsprinzip: Wenn ihre zivilen Mittel nicht mehr ausreichen, können Kantone beim Bund um die Hilfe der Armee ersuchen. Dabei müssen sie jedoch nachweisen, alle anderen Möglichkeiten ausgeschöpft zu haben, das heisst zum Beispiel Arbeitslose angestellt oder Medizinstudentinnen und Samariter angefragt haben.

Einsatzleitung bleibt in zivilen Händen

Das Angebot der Armee umfasst auch materielle Unterstützung: So können Spitäler auf Beatmungsgeräte und das Armee-Monitoring zurückgreifen. Für den Assistenzdienst sollen keine Personen aufgeboten werden, die aktuell im Gesundheitswesen arbeiten und dort gebraucht werden. Im Fokus für Einsätze stünden Armeeangehörige in Wiederholungskursen, denen der Assistenzdienst angerechnet wird. Daneben sollen auch Sanitäts-Durchdiener und Freiwillige mit Sanitätsausbildung zum Einsatz kommen.

Koordiniert wird der Assistenzdienst vom Bundesamt für Gesundheit (BAG). Er dauert bis am 31. März 2022 und muss noch von der Bundesversammlung genehmigt werden. Dies hat jedoch keine aufschiebende Wirkung, wie Droz klarstellte. Die drei Kantone Wallis, Jura und Neuenburg hätten bereits um Hilfe ersucht. Sobald die Gesuche bewilligt sind, beginnt laut Droz der Einsatz vor Ort in 24 bis 48 Stunden. Die Durchdiener der Sanitätstruppe seien schon in Bereitschaft versetzt worden.

Nach dem ersten Einsatz gab es Kritik von links

Das Gesundheitswesen greift damit zum dritten Mal seit Ausbruch der Pandemie auf militärische Ressourcen zurück. Schon im Herbst 2020 gab es einen Assistenzdienst mit 2500 Armeeangehörigen, weil Experten mit einer Überlastung der Intensivstationen rechneten. Anders als heute wurde der Armeeeinsatz damals jedoch einen Monat früher beschlossen.

Erstmals in der Coronapandemie hatte der Bundesrat die Armee im Frühling 2020 aufgeboten, ebenfalls vorab um in Spitälern zu helfen. Dieser Assistenzdienst umfasste sogar 5000 Armeeangehörige. Auch damals wurde eine Überlastung der Spitäler respektive Intensivstationen befürchtet. Doch auch diese blieb aus.

Die Armee wurde in der Folge kritisiert: Die Soldaten seien mehr Belastung als Hilfe, hiess es von linker Seite. Die Armee räumte daraufhin Überkapazitäten ein: Man habe sich auf ein Maximalszenario vorbereitet, hiess es. Dies unter Annahmen, die von Seiten der Politik und der Verwaltung gemacht worden seien.

Aktuelle Nachrichten